Interview
Musik macht im Alter mobil

Münster -

2004 startete die Weiterbildung Musik­geragogik an der Fachhochschule Münster – eng verbunden mit diesem Format ist der Name Prof. Dr. Hans Hermann Wickel vom Fachbereich Sozialwesen. Er tritt nun in den Ruhestand und spricht im Interview über die Disziplin, die mittlerweile in vielen Alteneinrichtungen Einzug gehalten hat.

Mittwoch, 23.10.2019, 13:00 Uhr
Prof. Hermann Wickel etablierte an der Fachhochschule in der Sozialpädagogik den Bereich Musikgeragogik.
Prof. Hermann Wickel etablierte an der Fachhochschule in der Sozialpädagogik den Bereich Musikgeragogik. Foto: Wilfried Gerharz/FH

Es ist das Jahr der Jubiläen: zehn Jahre Deutsche Gesellschaft für Musik­geragogik und 15 Jahre hochschulzertifizierte Weiterbildung Musikgeragogik. Wer hatte die Weiterbildung damals initiiert?

Wickel: Mein ehemaliger Kollege Prof. Norbert Erlemeier hatte mir Ende der 90-er-Jahre empfohlen, mich mit dem Thema Musik und Alter zu beschäftigen und es in Seminaren für unsere Studierenden aufzugreifen. In der Fachwelt wusste man ja bereits genau, was mit dem demografischen Wandel auf unsere Gesellschaft zukommen würde. Dass wir nämlich älteren Menschen die kulturelle Teilhabe ohne große Barrieren ermöglichen müssen – und musikalische Aktivitäten ein wichtiger Bestandteil davon sein können. Wichtig auch deshalb, weil sie zur Lebensqualität sowie zur körperlichen und geistigen Fitness beitragen.

Wie starteten die Weiterbildungskurse?

Wickel: Zunächst hatte ich die Fachkräfte aus der Sozialen Altenarbeit und der Pflege im Blick, denen wir musikalisches Know-how vermitteln wollten. Dann kamen im zweiten Kurs bereits studierte Musiker auf uns zu, die unbedingt geragogisches Rüstzeug zum Beispiel für ihre Arbeit an Musikschulen erwerben wollten. Denn immer mehr Menschen lernen auch im Alter noch Instrumente oder schließen sich Seniorenorchestern, Seniorenbands und Chören an. Somit wurden auch schnell die Musikverbände auf uns aufmerksam, und bereits 2006 erhielten wir für unsere Weiterbildung den Innovationspreis des Deutschen Musikrates „Inventio“. Selbst Ärzte, Pfarrer und Psychologen besuchen unsere Kurse.

Ist das Angebot immer noch so gefragt?

Wickel: Auf jeden Fall, die Kurse sind immer voll, und in Kürze startet bereits die 24. Auflage in Münster. Daneben haben wir längst in Zusammenarbeit mit anderen Trägern Kurse auswärts am Start, die aber alle von der FH Münster zertifiziert werden. Inzwischen gibt es über 600 zertifizierte Musikgeragogen.

Hat dies auch berufspolitische Konsequenzen?

Wickel: Ja, wir haben die ersten festangestellten Musikgeragogen in Alteneinrichtungen, es sind viele interessante Projekte bundesweit angestoßen worden, die Sozialverbände interessieren sich mehr und mehr für dieses Thema

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