Landwirte protestieren mit Traktoren-Demo
950 Trecker blockieren Münster

Münster -

Nichts geht mehr: Landwirte aus dem ganzen Münsterland haben am Dienstag mit einem 950 Traktoren starken Konvoi Münsters Innenstadt für mehrere Stunden lahmgelegt, um ihre Unzufriedenheit mit der Agrarpolitik zum Ausdruck zu bringen. Das hatte massive Auswirkungen auf den Verkehr.

Dienstag, 22.10.2019, 21:00 Uhr
Die Route der Trecker-Demo führte an der Bahnhofstraße vorbei, was besonders schlimme Auswirkungen für den Busverkehr hatte,
Die Route der Trecker-Demo führte an der Bahnhofstraße vorbei, was besonders schlimme Auswirkungen für den Busverkehr hatte, Foto: Oliver Werner

Der Frust im Gesicht der Busfahrerin, die auf dem York-Ring feststeckt, weicht einem Lächeln, als sie merkt, dass ihre Lage – im wahrsten Sinne des Wortes – völlig ausweglos ist. Sie ist am Dienstagmittag umringt von Traktoren, kein Vor und kein Zurück. Da hilft nur noch Galgenhumor – und ganz viel Geduld.

Denn Landwirte aus dem gesamten Münsterland bringen den Verkehr ab 11 Uhr mit 950 Traktoren zum Erliegen. Der Grund für den Protest: Unzufriedenheit mit der Agrarpolitik der Bundesregierung. „Es kann nicht sein, dass den Landwirten von der Politik ständig neue Auflagen aufgebürdet werden und Bauern als Buhmänner in der Klimaschutzdebatte dastehen“, sagt Hendrik Meier, der die Demo in Münster als Teil einer bundesweiten Aktion der Bewegung „Land schafft Verbindung“ organisiert hat.

So viele wie noch nie

Wie viele Bauern unzufrieden sind, zeigt sich auf den Straßen. „So viele Ackerschlepper waren noch nie in Münsters Innenstadt unterwegs“, sagt Klaus Laackman, Einsatzleiter der Polizei. Der neun Kilometer lange Rundkurs von der Corrensstraße über den Ring, die Gartenstraße, den Ludgerikreisel, vorbei am Schloss zurück zum Ausgangspunkt war eigentlich für 400 Trecker ausgelegt. Weil aber mehr als doppelt so viele gekommen sind, passen nicht alle auf die Strecke. Die ersten Fahrzeuge erreichen das Ziel bevor die letzten Fahrzeuge überhaupt starten können.

Trecker-Konvoi: Landwirte-Protest in Münster

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  • Die Demonstration der Landwirte ist Teil einer bundesweiten Aktion, für die sich die Protestler über soziale Netzwerke zusammengeschlossen haben. 

    Foto: Oliver Werner
  • Die Veranstalter planten die Protestaktion ausdrücklich ohne die Verbände wie den Westfälisch-Lippischen Bauernverband.

    Foto: Oliver Werner
  • Protestiert wird gegen die Agrarpläne der Bundesregierung. 

    Foto: Oliver Werner
  • In Münster hatten sich rund 400 Trecker für den Konvoi versammelt.

    Foto: Oliver Werner
  • Teilnehmer aus Ascheberg, Nordkirchen, Lüdinghausen, Rinkerode und Herbern sowie aus dem West-Münsterland waren nach Münster gekommen. 

    Foto: Oliver Werner
  • Es folgen weitere Impressionen von der Fahrt des Trecker-Korsos durch die Stadt...

    Foto: Oliver Werner
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  • Foto: Ralf Repöhler
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  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt

Die Folge: Stillstand in weiten Teilen der Innenstadt und eine Geduldsprobe für alle Autofahrer. Die Polizei, die den Konvoi begleitet und die Hauptverkehrsadern absperrt, spricht später von „erheblichen Verkehrsbehinderungen entlang der Strecke“. Beschwerden habe es jedoch nur vereinzelt gegeben.

Busfahren wird zur Geduldsprobe

Besonders hart trifft es Fahrgäste des Öffentlichen Nahverkehrs. An der Bushaltestelle Cheruskerring schimpft eine Frau. 50 Minuten warte sie bereits, man erfahre nicht, wann der nächste Bus komme. An sich habe sie ja Verständnis für die Landwirte, aber sie müsse zur Arbeit und sei schon zu spät.

Stadtwerke-Sprecher Florian Adler bittet am frühen Nachmittag um Verständnis. Man versuche über die digitalen Anzeigen an den Haltestellen und im Internet so gut es geht zu informieren. „Aber wir können nichts tun“, so Adler, schließlich seien die Knotenpunkte Bahnhofstraße und Ludgerikreisel betroffen. Das wirke sich auf alle Linien aus – sogar bis nach Hiltrup. Zwischen 20 und 90 Minuten haben die Busse Verspätung. „Eine solche Lage ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Adler.

3 Fragen an

Hendrik Meier (21), Landwirt aus Nienberge und Veranstalter der Traktoren-Demonstration in Münster.950 Traktoren haben Münster lahmgelegt.

Werten Sie das als Erfolg?

Meier: Wir wollten deutlich machen, dass wir mit dem Agrarpaket nicht einverstanden sind. Das ist uns durch die erhebliche Zahl der Schlepper gelungen. Aus organisatorischer Sicht hat alles gut funktioniert.

Musste das denn in der Stadt sein?

Meier: Ja, weil wir sonst nicht gehört werden. Es tut uns auf der einen Seite natürlich auch Leid, dass die Leute durch uns im Verkehr feststeckten. Wir haben ein ziemlich großes Chaos angerichtet. Aber das war ja auch Sinn der Sache. Denn auf der anderen Seite müssen wir, um unsere Anliegen zu formulieren, auch Aufmerksamkeit erwecken.

Welchen Effekt erhoffen Sie sich von dem Protest?

Meier: Wir erhoffen uns, dass wir von der Politik gehört werden. Und wir hoffen auf die Erkenntnis, dass manche Inhalte des Agrarpakets, zum Beispiel die Verschärfung der Düngeverordnung, in der Praxis nicht zu machen sind. Die Neuerungen führen zu Unsicherheiten und gefährden die Existenz von Familienbetrieben. Die Politiker haben heute gesehen, dass wir als Berufsstand zusammenhalten, uns einig und zudem gut vernetzt sind.

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Dort, wo die Polizei den Verkehr nicht regelt, kommt es mitunter zu brenzligen Situationen, weil die Treckerfahrer die Vorfahrt auch bei Roter Ampel für sich beanspruchen. Weil sich der Verkehr beispielsweise auf der Hörsterstraße bis über die Höhe Promenade staut, bekommen auch kreuzende Radfahrer Probleme. Unfälle habe es jedoch keine gegeben, sagt ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Um 13 Uhr endet der Korso offiziell, die letzten Trecker sind da aber noch nicht aus der Stadt. Erst in den Nachmittagsstunden normalisiert sich der Verkehr.

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