Gedenkgottesdienst für verstorbenen Superintendenten
Ulf Schlien: Abschied von einem „unverwechselbaren Typen“

Münster -

Mit seinem plötzlichen Tod hat niemand gerechnet. Der mit 57 Jahren verstorbene Superintendent Ulf Schlien hinterlässt im Kirchenkreis eine große Lücke. Am Mittwoch wurde der Gedenkgottesdienst gefeiert.

Mittwoch, 23.10.2019, 18:31 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 19:24 Uhr
Präses Annette Kurschus hatte Ulf Schlien im Februar 2018 ins Amt eingeführt – nun hielt sie die Predigt beim Gedenkgottesdienst für den unerwartet verstorbenen Superintendenten.
Präses Annette Kurschus hatte Ulf Schlien im Februar 2018 ins Amt eingeführt – nun hielt sie die Predigt beim Gedenkgottesdienst für den unerwartet verstorbenen Superintendenten. Foto: Oliver Werner

Am 13. Oktober hatte Ulf Schlien noch bei scheinbar bester Gesundheit in der Apostelkirche gepredigt – klar, deutlich, tröstlich: „Jesus richtet Menschen auf.“ Am 14. Oktober war der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Münster tot; völlig unerwartet hatte sein Herz aufgehört zu schlagen. Er wurde 57 Jahre alt. „Der Tod kam wie ein Dieb in der Nacht“, so sagte es Präses Annette Kurschus zu Beginn ihrer Predigt während des Gedenkgottesdienstes in der Apostelkirche.

Am Mittwoch versammelte sich eine große, spürbar fassungslose Trauergemeinde, zu der neben Angehörigen, Freunden und Kollegen auch Vertreter der Ökumene und der Stadtgesellschaft gehörten, um Abschied zu nehmen und sich trösten zu lassen. „Ein unverwechselbarer Typ“, so nannte Kurschus den Verstorbenen. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, hielt die Predigt – wie schon bei Schliens Amtseinführung im Februar 2018.

Einiges bewegt

Der aus Recklinghausen stammende Schlien habe in der Jugendarbeit seinen eigenen Stil und seinen tiefen Glauben gefunden, sei mit Leib und Seele Seelsorger gewesen: „Er interessierte sich für die Menschen.“ Noch am Tag vor seinem Tod habe er leidenschaftlich bekannt: „Ich weiß, wohin ich einmal gehen werde“ – ein starker Trost für seine Hinterbliebenen.

Ulf Schlien war erst vor zwei Jahren in sein Amt gewählt worden, hatte aber im Kirchenkreis schon einiges bewegen können – ein freundlicher, durchsetzungsfähiger Chef, hieß es. „Ich hatte den Eindruck, er war gerade so richtig im Amt angekommen“, so beschrieb es eine Mitarbeiterin. Wie es im Kirchenkreis nun weitergehen kann – dazu mögen sich Assessor Uwe Völkel und sein Stellvertreter Thomas Groll erst in den kommenden Tagen äußern. Laut Kirchenordnung soll die Kreissynode auf der nächsten Tagung eine Neuwahl vornehmen.

Kommentar: Kirchenkreis unter Schock

In den ersten Tagen nach einer so plötzlichen Todesnachricht herrschen Sprach- und Fassungslosigkeit. Das Mitgefühl für die Familie, die Freunde und Wegbegleiter ist zunächst wichtiger als die Frage, wie es für den schockierten Kirchenkreis nach dem Tod des Superintendenten Ulf Schlien weitergeht.

Doch die Frage drängt sich auf – nicht nur, weil es um 105 000 Mitglieder, 4000 Ehrenamtliche und 600 Hauptamtliche in 24 Kirchengemeinden in Münster und der näheren Umgebung geht. Schliens Vorgängerin Meike Friedrich hatte aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten müssen; nach schwieriger Zeit befand sich der Kirchenkreis 20 Monate nach Schliens Amtseinführung wieder auf gutem Weg. In Zeiten wachsender Glaubensferne, persönlicher und politischer Unsicherheit ist es wichtig, dass die Kirche kraftvoll ihre Botschaft verkündet, dabei glaubwürdig und herzlich rüberkommt und mutig neue Wege geht. Genau dafür stand Ulf Schlien. Er war der richtige Mann an seinem Platz, und er hätte für Ökumene und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Münster noch viel erreichen können.

Nun kommt es darauf an, möglichst rasch daran anzuknüpfen – eine erneute lange Vakanz könnte lähmend wirken. Dem Evangelischen Kirchenkreis und seinen Gremien bleibt zu wünschen, dass sich die Nachfolge zügig regeln lässt. Lukas Speckmann

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