Stille Örtchen in der Stadtbücherei
Toiletten nur für angemeldete Leser

Münster -

Die Toiletten in der Stadtbücherei waren für viele Passanten beim Stadtbummel eine beliebte Anlaufstelle. Doch damit ist nun Schluss. Nur noch mit der Nutzerkarte für die Bücherei öffnet sich die Tür zum stillen Örtchen.

Freitag, 25.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 25.10.2019, 13:28 Uhr
Ein Aushang in der Stadtbücherei macht auf die neue Regelung der Toilettennutzung aufmerksam.
Ein Aushang in der Stadtbücherei macht auf die neue Regelung der Toilettennutzung aufmerksam. Foto: Karin Völker

Wenn sich beim Stadtbummel ein sehr dringendes Bedürfnis einstellt, stehen diverse öffentliche Örtchen bereit. Als solches wird vielfach auch die Toilettenanlage der Stadtbücherei am Alten Steinweg wahrgenommen. Doch hier stößt die spezielle Laufkundschaft seit vergangener Woche auf verschlossene Türen. Wer die Toiletten im Untergeschoss der Stadtbücherei benutzen will, benötigt einen Nutzerausweis. Die Chipkarte dient neuerdings als Schlüssel zu den frisch sanierten Örtlichkeiten.

Probleme für Besucher ohne Ausweis

Die Maßnahme stößt nicht überall auf Beifall. Besucher der Bücherei, die in den Räumen nur lesen, aber keine Bücher ausleihen wollen und keinen Nutzerausweis besitzen, haben nun ein Problem. Christine Varela-Balay zum Beispiel, die ärgerlich davon berichtet, täglich im Lesesaal der öffentlichen Bibliothek zu arbeiten, aber nun auswärts eine Toilette suchen zu müssen.

Das Team der Stadtbücherei habe es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht, ist von den Mitarbeitern zu hören. Die starke Verschmutzung durch die Vielzahl der Besucher, die nur von draußen zum Besuch des stillen Örtchen kamen, sei aber nicht mehr tragbar gewesen. Mehrmals täglich hätten die Anlagen gereinigt werden müssen, weiteres Geld aus dem städtisches Haushalt dafür sei nicht mehr verfügbar, sagt ein Abteilungsleiter.

Im übrigen sei es „üblich, dass Nutzer der Bibliothek auch einen Ausweis beantragen“.

Chipkarte benötigt

Auch Besucher des Café Colibri im Foyer und auf der Außen-Terrasse der Bücherei müssen nun das Servicepersonal nach einer Chipkarte fragen, um die Toilette nutzen zu können.

Auf dem Treppenabsatz zum Untergeschoss, wo sich die Sanitärräume befinden, hängt ein Infoblatt, und es liegen Stadtpläne aus, die die öffentlichen Toiletten in der Umgebung verzeichnen.

Die aber sind in der Regel kostenpflichtig, wie etwa das nur wenige Meter entfernte „Häuschen“ der Wall AG an der Bushaltestelle Bült, das sich gegen den Einwurf von 30 Cent öffnet. Auch die Toilette im Stadthaus 1 ist nur gegen Gebühr zu benutzen.

Obolus für Reinigungskraft

Die öffentliche Toilettenanlage am Domplatz, seit den Skulptur-Projekten 2007 offiziell zum Kunstwerk erhoben, ist im Prinzip gebührenfrei – eine freundliche Reinigungskraft erwartet aber, dass Nutzer einen kleinen Obolus aufs Tellerchen legen. Ähnlich verhält es sich in den Sanitäreinrichtungen der Kaufhäuser und in den Arkaden.

Gebührenfrei nutzbare Toiletten in öffentlichen Gebäuden befinden sich in der Innenstadt derzeit im Landesmuseum am Domplatz, im Fürstenberghaus und im kostenlos zugänglichen Stadtmuseum.

Bei der Frage ob die Zahl der öffentlichen Toiletten ausreicht, müsse es „eine sinnvolle Balance zwischen dem, was nötig ist, und dem, was gewünscht ist, geben“, sagt Sigrid Howest vom Presseamt. Es gebe gerade in der Innenstadt zahlreiche öffentliche Toiletten, mit noch mehr „Orten“ könne die Altstadt aber auch nicht „zugepflastert“ werden.

Dankbarkeit für Sauberkeit

In der Stadtbücherei, so betonen die Mitarbeiter, zeigten die Nutzer der Bibliothek überwiegend Verständnis und auch Dankbarkeit für die nun deutlich saubereren Einrichtungen.

Wenn nebenan auf dem Lambertikirchplatz demnächst der Weihnachtsmarkt öffnet, erklärt die Stadt das Örtchen in der Stadtbücherei für die Adventszeit übergangsweise zur öffentlichen Toilette. Eine Aufsichtsperson soll aufpassen, dass sich die Nutzer dort gut benehmen.

17 öffentliche Toiletten im Stadtgebiet

Die Stadt Münster stellt über das Stadtgebiet verteilt 17 öffentliche Toilettenanlagen bereit. Diese werden nach Darstellung des Ordnungsamtes mehrfach täglich gereinigt und auf Funktion und Verbrauchsmaterialien überprüft. „Für die Werberechte an den öffentlichen Toiletten zahlt die Wall AG Pacht an die Stadt, aus dieser Einnahme wird die Toilettenbewirtschaftung bezahlt“, erläutert Sigrid Howest vom städtischen Presseamt. Die Toiletten auf den Wochenmärkten Geiststraße/Sentmaringer Weg und Hiltrup sind nur während der Marktzeiten geöffnet. Von den 17 Standorten öffentlicher Toiletten sind derzeit 13 Standorte barrierefrei.

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