Prozess nach Raub, Überfall und Körperverletzung
Täter schlug Kassiererin ins Gesicht

Münster -

Die achte Strafkammer des Landgerichts verhandelt seit Montag gegen eine 22 Jahre alten Angeklagten. Er soll in Roxel im vergangenen Mai drei schwere Straftaten begangen haben.

Montag, 04.11.2019, 21:00 Uhr
 
  Foto: Rieke Tombült

Höflich reserviert, aber nahezu unbeteiligt wirkte der 22-jährige Angeklagte, dem von der Staatsanwaltschaft Münster schwerer Raub in zwei Fällen sowie ein Körperverletzungsdelikt vorgeworfen wird.

Im Mai 2019 war der gebürtige Münsteraner mit einer Sturmhaube maskiert in einen „Netto“-Supermarkt in Roxel eingedrungen, hatte eine Kassiererin mit einer Schreckschusspistole bedroht und ihr befohlen, das Geld aus der Kasse auszuhändigen. Als die Angestellte ihm entgegnete, die Kasse nicht einfach so öffnen zu können, gab der 22-jährige zwei Schüsse auf das Kassenband ab, schlug die Bedrohte mit der flachen Hand ins Gesicht und floh aus dem Supermarkt. Dabei wurde er von einem anderen Angestellten des „Netto“-Marktes verfolgt. Seine Tat begründete der Münsteraner mit seiner seit dem 15. Lebensjahr bestehenden Drogensucht und dem damit zusammenhängenden finanziellen Beschaffungsdruck.

Freiwillig von der Tat zurückgetreten?

Im Termin vor der 8. Strafkammer diskutierten die Prozessbeteiligten ausführlich, ob der Angeklagte freiwillig seine Tat nicht vollendet hatte, oder ob er durch das Einschreiten des zweiten Angestellten zur Flucht veranlasst worden war. Die Verteidigerin argumentierte, dass ihrem Mandaten, der nach der Ohrfeige von der Kassiererin noch mit einem Warentrenner auf den Oberarm geschlagen worden war, in diesem Moment bewusst geworden sei, wie weit ihn seine Sucht bereits gebracht und deswegen seinen Überfall abgebrochen habe. Aus juristischer Sicht läge so ein strafbefreiender Rücktritt vor. Dafür spricht auch, dass der Angeklagte bereits von der Kassiererin abgelassen hatte und in Richtung Ausgang unterwegs war, bevor der Kollege hinzukam. Letzterer hatte durch Rufen aber schon auf sich aufmerksam gemacht, was der Täter laut Aussage der Kassiererin gehört haben müsste. Den freiwilligen Rücktritt von der Tat würde dies in Frage stellen.

Weitere Vorwürfe

Des weiteren wird dem Münsteraner der Überfall der Westfalen-Tankstelle an der Roxeler Straße, ebenfalls im Mai, vorgeworfen. Hier soll er einen Angestellten mit einem Messer bedroht sowie 1045 Euro entwendet haben. Diese Tat bestritt der Angeklagte jedoch.

Zum Vorwurf der Körperverletzung wollte sich der Angeklagte nicht äußern: Im April 2019 soll er an einer Bushaltestelle in Roxel einem jungen Mann unvermittelt ins Gesicht geschlagen und dabei die Nase gebrochen haben.

Psychiatrisches Gutachten

Der psychiatrische Sachverständige, der mit Blick auf eine mögliche Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angehört wurde, attestierte dem 22-Jährigen eine unernste Haltung „dem Ganzen“ gegenüber.

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