Trauer um Walter Kutsch
Sammlung ist ein „Gedächtnis der Stadt“

Münster -

Seine Sammlung könnte dem Stadtarchiv Konkurrenz machen – wenn die dortigen Verantwortlichen seine Bibliothek nicht längst übernommen hätten. Walter Kutsch sammelte über Jahrzehnte wirklich alles, was er an Publikationen, die nicht von öffentlichen Einrichtungen erfasst worden waren, aufspüren konnte. Jetzt ist der 77-Jährige überraschend gestorben.

Dienstag, 05.11.2019, 10:00 Uhr
Walter Kutsch, Sammler von Zeugnissen münsterischer Stadtgeschichte, ist im Alter von 77 Jahren gestorben.
Walter Kutsch, Sammler von Zeugnissen münsterischer Stadtgeschichte, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Foto: Matthias Ahlke

Walter Kutsch, der bekannte Sammler, Bibliothekar und Archivar münsterischer Schriften und Literatur, ist am 25. Oktober im Alter von 77 Jahren gestorben. Obwohl seit geraumer Zeit mit gesundheitlichen Problemen kämpfend, die er, der stets so viel Optimismus verbreitete, mit Gleichmut ertrug, kommt sein Tod doch überraschend.

Vor vier Wochen noch hatte er in dieser Zeitung mit einem längeren Beitrag über den Stadtheimatbund aufgewartet. Wer sich diesen noch einmal ansieht, ist von der Präzision seiner Darlegung einmal mehr beeindruckt. Kutsch, der sich auch als langjähriger Autor der „Roten Erde“ einen Namen gemacht hatte, war ein ebenso vielseitiger wie gründlicher Forscher. Wegbegleiter staunten ein ums andere Mal über seine Ausdauer und seinen Fleiß. Er beschritt nicht die ausgetretenen Pfade der ohnehin gut erforschten Stadtgeschichte, sondern suchte nach Interessantem im Alltäglichen. Nicht zuletzt galt dabei sein Interesse der gedeihlichen Fortentwicklung Münsters. Er kritisierte Eingefahrenes und mahnte Weitblick an.

Geboren 1941 in Münster, verbrachte er die Jugendzeit im Schwarzwald und legte 1962 das Abitur in Schopfheim/Baden ab. Von 1964 bis 1998 arbeitete Kutsch in führender Position bei einem Versicherungskonzern in Köln. Die Zeit danach widmete er vor allem seiner von Jahr zu Jahr größer werdenden Sammlung zur Stadtgeschichte, die er klugerweise von Anfang an nach wissenschaftlichen Grundsätzen strukturierte.

Sie wurde ihm zur eigentlichen Lebensaufgabe. Kutsch hatte bereits Mitte der 1960er-Jahre begonnen, seltene münsterische Publikationen, die nicht von öffentlichen Einrichtungen erfasst wurden, zu archivieren. Daraus entstand eine der größten privaten Bibliotheken der Region, unter vielen Münsterkennern als „Sammlung Walter Kutsch“ seit Jahrzehnten ein fester Begriff. Dass das Stadtarchiv dieses „Gedächtnis der Stadt“ erwarb, war ihm eine große Erleichterung und Freude. Es wird die Erinnerung an ihn wachhalten.

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