Imposante Schau folgt der künstlerischen Entwicklung des englischen Malers
Seestürme und Sonnenuntergänge von William Turner

Münster -

William Turner, der berühmte Landschaftsmaler aus England, wird jetzt mit einer großen Ausstellung des LWL-Landesmuseums gewürdigt. Prachtvolle Leihgaben vor allem aus der Tate London sind zu bestaunen.

Dienstag, 05.11.2019, 17:33 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 17:56 Uhr
Italien-Liebhaber kommen bei der Turner-Schau auch auf ihre Kosten – wie hier vor dem Gemälde einer südlichen Landschaft mit Aquädukt und Wasserfall.
Italien-Liebhaber kommen bei der Turner-Schau auch auf ihre Kosten – wie hier vor dem Gemälde einer südlichen Landschaft mit Aquädukt und Wasserfall. Foto: Wilfried Gerharz

Es ist ein dramatisches Bild mit wuchtigen Felsen, brechenden Bäumen und bedrohlichem Schnee: William Turner malte den „Niedergang einer Lawine in Graubünden“ im Jahr 1810 als furchteinflößendes Szenario. Das große Gemälde ist der Blickfang im zweiten Raum der imposanten Turner-Ausstellung, die das LWL-Museum für Kunst und Kultur am Donnerstagabend eröffnet. Es ist mitten im Saal platziert, auf einer Stellwand.

Und wer diese Wand umwandert, der erlebt auf der Rückseite sein blaues, nein, sein gelbrot leuchtendes Wunder: Dort nämlich hängt, in denkbar größtem Kontrast zu allen Werken, die zuvor in den Räumen „Die Anfänge“ und „Die Attraktionen der Schweiz“ gezeigt werden, der „Sonnenuntergang über einem See“ aus dem Jahr 1840: ein ab­s­trakter Rausch der Farben, wie ihn kein französischer Impressionist grandioser hingekriegt hätte.

"Schreckliche und das Ergötzliche"

„Horror and Delight“, frei übersetzt das Schreckliche und das Ergötzliche, sind Thema der Schau – und in diesen beiden Gemälde aus unterschiedlichen Schaffensphasen Turners auf den Punkt gebracht. Denn zu Beginn seiner Künstlerkarriere hat der 1775 in London geborene Maler mit dunkel-romantischen Landschaften seine Zeitgenossen beeindruckt: Das Entree der Schau zeigt mondbeschienene Fischer auf See und vergleichbare Motive von Turner, seinem Lehrer Loutherbourg und anderen Zeitgenossen, stimmungsvoll auf dunkelblauer Wand platziert. 

Es folgen, im helleren zweiten Raum, die Schweiz-Motive des reisefreudigen Künstlers, der unbedingt die Alpen sehen wollte und in seinem Spätwerk auch liebliche Aquarelle von Luzern und dem Vierwaldstättersee gemalt hat. Dass der 1851 gestorbene Turner schon Landschaftsmotive in wechselndem Licht dargestellt hat, als Claude Monet gerade erst geboren war, zeigt ihn ebenfalls als großen Modernen seiner Zeit. Was auch für die flirrenden Venedig-Aquarelle im dritten Raum gilt: Sie entstanden 1840, im Geburtsjahr Monets.

Die Ausstellung in Münster „Horror and Delight“ wurde, ähnlich wie vor 19 Jahren die Schau „Licht und Farbe“ in Essen, wesentlich aus dem riesigen Schatz der Londoner Tate bestückt, aber auch noch durch 30 andere Leihgaben ergänzt, um das weitgehend chronologisch gestaltete und um Motiv-Schwerpunkte ergänzte Thema umzusetzen – zuvor in Luzern hatten die Ausstellungsmacher sich naturgemäß auf die Schweiz-Motive kapriziert.

Großartige Inszenierung 

In Münster sind zwei Räume dem Meer in seinen unterschiedlichen Facetten gewidmet. Und gleich im ersten sorgt ein Fremdling für sanfte Verwirrung, wodurch aber Turners Besonderheit deutlich wird: Der Blick fällt auf „Schiffbruch im Gewittersturm“ von Claude­ Joseph Vernet, dessen effektvolle Dramatik zwar fasziniert, das aber im Vergleich zu den Turner-Bildern fast putzig anmutet. Gerechterweise muss man hinzufügen, dass es bereits 1770, also noch vor Turners Geburt, entstand. Welch ein Kontrast zum berühmten Gemälde „Frieden – Bestattung auf See“ im nächsten Raum. Von den grandios-abstrakten See-Gemälden Turners aus der Zeit um 1845 ganz zu schweigen.

Zum spektakulären Finale bieten Münsters Ausstellungsmacher um Kuratorin Judith Claus einen Raum über „Untergang und Auferstehung“ mit dem dereinst berühmteren Zeitgenossen Turners, John Martin. Dessen „Sintflut“ aus dem Jahr 1834 muss sich an Turners etwas älterem Werk messen lassen. Das ist spannend – wie die ganze großartige Schau.

Begleitprogramm zur Turner-Ausstellung: Rundgänge, Familientag

Die Turner-Schau ist mit einem umfangreichen Führungs- und Vortragsprogramm ausgestattet. Hier einige zentrale Termine.

  • Die Ausstellung „Turner. Horror and Delight“ (in Kooperation mit Tate London) wird am Donnerstag um 19 Uhr im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur eröffnet und ist bis zum 26. Januar dienstags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr und am zweiten Freitag im Monat bis 24 Uhr zu sehen.
  • Zum Begleitprogramm der Schau gehören öffentliche Rundgänge, ein Familientag am 11. November und Lesungen von Cees Nooteboom (16. Dezember, 19.30 Uhr) und Burkhard Spinnen (23. Januar, 19.30 Uhr).

Der Ausstellungskatalog kostet 27 Euro.

  • Zum ersten Mal bietet das LWL-Museum zur Ausstellung ein Digitorial an. Die digitale Tour ermöglicht es, sich vor dem Besuch der Ausstellung auf das Thema vorzubereiten und multimedial in die Welt des Künstlers einzutauchen.
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