Trauer um Maria Wasna
Die erste Uni-Rektorin der Republik

Münster -

Frauen in Führungspositionen – das ist nicht nur in der Wirtschaft ein großes Thema, sondern mindestens genauso in der Wissenschaft. Prof. Dr. Maria Wasna war in dieser Hinsicht eine Pionierin: Sie war nicht nur die erste Rektorin der Universität Münster, sondern bundesweit. Jetzt ist die Frau der leisen Töne im Alter von 89 Jahren gestorben.

Dienstag, 05.11.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 12:22 Uhr
Maria Wasna war 1990 die erste Frau an der Spitze einer bundesdeutschen Hochschule.
Maria Wasna war 1990 die erste Frau an der Spitze einer bundesdeutschen Hochschule. Foto: Ahlke

Sie war die erste Frau an der Spitze der Universität Münster – und nicht nur das. Die Psychologin Prof. Dr. Maria Wasna war die erste Rektorin an einer bundesdeutschen Hochschule. Jetzt ist Maria Wasna, die von 1990 bis 1994 die WWU führte, im Alter von 89 Jahren gestorben.

Dass sie mit ihrem Führungsamt als eine der wenigen Wissenschaftlerinnen in einer Männerdomäne wirkte, darüber machte Maria Wasna wenig Aufheben.

Sie regierte die damals mit knapp 45 000 Studierenden ähnlich riesige WWU wie heute mit leisen Tönen. Sie war seit 1974 Professorin, zunächst an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Münster. An der damals lehrerausbildenden Hochschule wurde sie schon bald Prorektorin für Lehre Seit der Integration der PH 1980 war Wasna Professorin am Psychologischen Institut der WWU.

Die Selbstverwaltung der Hochschule war ihr Ding, und so wurde sie 1986 Prorektorin der WWU für Bauangelegenheiten – bevor sie vier Jahre später ganz an die Spitze der Hochschule trat.

Maria Wasna stammte aus Tilsit in Ostpreußen, das heute zum russischen Staatsgebiet gehört – und die Region, speziell das Baltikum, lag ihr zeitlebens am Herzen. Nach dem Schritt der baltischen Länder in die Unabhängigkeit von der Sowjetunion bemühte sie sich um den Aufbau wissenschaftlicher Beziehungen. 1993 wurde unter ihrem Rektorat das Institut für interdisziplinäre baltische Studien gegründet und ebenso der Förderverein Baltikum, in dem unter Wasnas Ägide zahlreiche Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung aus der hiesigen Region wirkten.

Wasna erhielt in den Folgejahren viele hohe Auszeichnungen im Baltikum: Die Universitäten Riga in Lettland und Vilnius in Litauen verliehen ihr die Ehrendoktorwürde, die Universität Tartu in Estland die Ehrenmitgliedschaft, 2004 wurde sie noch mit dem höchsten Orden der Republik Litauen, dem „Vytautas Magnus“ geehrt. Und als der lettische Staatspräsident 1995 in Deutschland einen Staatsbesuch absolvierte, war die Brückenbauerin Maria Wasna als offizielle Begleiterin im Schloss Bellevue, dem Sitz des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, dabei.

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