Autorin spricht über Selbstmord und Depression
Saskia Jungnikl: Das  Schweigen  durchbrechen

Münster -

Es heißt, jährlich nehmen sich in Deutschland 10 000 Menschen das Leben. Öffentlich wird jedoch kaum davon gesprochen. Beim „Bündnis gegen Depression Münster“ berichtete nun die Autorin Saskia Jungnikl von ihren Gefühlen nach dem Suizid ihres Vaters.

Mittwoch, 06.11.2019, 13:00 Uhr
Die österreichische Autorin Saskia Jungnikl (vorn) wurde mit dem Buch „Papa hat sich erschossen“ bekannt – daraus las sie auf Einladung des „Bündnisses gegen Depression Münster“ im Rathaus vor (v.l.): Prof. Dr. Thomas Reker, Petra Karallus (Krisenhilfe Münster) und Merle Heitkötter (Gesundheitsamt der Stadt, Geschäftsstelle des Bündnisses) begleiteten die Veranstaltung.
Die österreichische Autorin Saskia Jungnikl (vorn) wurde mit dem Buch „Papa hat sich erschossen“ bekannt – daraus las sie auf Einladung des „Bündnisses gegen Depression Münster“ im Rathaus vor (v.l.): Prof. Dr. Thomas Reker, Petra Karallus (Krisenhilfe Münster) und Merle Heitkötter (Gesundheitsamt der Stadt, Geschäftsstelle des Bündnisses) begleiteten die Veranstaltung. Foto: Teresa Walter

„Ich bewundere meinen Vater sehr – an diesem Tag aber wird er zu meinem schlimmsten Feind.“ Mit diesen Worten beschreibt die österreichische Autorin und Journalistin Saskia Jungnikl in ihrem Buch „Papa hat sich erschossen“, wie sich die Einstellung zu ihrem Vater nach dessen Suizid veränderte.

Der Musiker und Regisseurs Erhard Jungnikl hatte sich 2008 das Leben genommen. Im November 2014 erschien Saskia Jungnikls autobiografisches Buch, das sofort außerordentlich viel Beachtung fand. Am Montag las die Autorin im Rahmen der Veranstaltung „Suizid – Wunsch nach Leben“ aus ihrem Buch und sprach über die Ohnmacht, die sie und ihre Familie nach der Tat erfasst habe: „Er war unser Vater, und wir haben ihn bewundert und geliebt.“

Die Veranstaltung wurde vom „Bündnis gegen Depression Münster“ veranstaltet und stieß auf großes Interesse. „Jeder siebte erleidet einmal in seinem Leben eine Depression“, sagte Prof. Dr. Thomas Reker vom Bündnis. Laut statistischem Bundesamt nehmen sich in Deutschland jedes Jahr rund 10 000 Menschen das Leben – ein „Tabuthema“, meinte Reker. Deshalb sei es so wichtig, darüber zu informieren und zu sensibilisieren, wie es sich das Bündnis gegen Depression zum Ziel gesetzt habe.

Auch Saskia Jungnikl vermutet, dass ihr Vater – der sich im Alter von 67 Jahren im Garten seines Hauses erschoss – an einer Depression litt und sich deshalb das Leben nahm. Jungnikl war damals 26 Jahre alt und habe sich nach der Tat ganz allein gefühlt: „Sein Tod teilt mein Leben in ein Vorher und ein Nachher“, las sie mit bewegter Stimme.

Nach dem furchtbaren Ereignis beschäftigte sie sich intensiv mit dem Thema und suchte die Öffentlichkeit. Ihre Überzeugung: Sprachlosigkeit und Stille schaden nur – und zwar sowohl denjenigen, die daran denken, sich etwas anzutun, als auch denen, die Angehörige verloren haben.

Dagegen seien Informationsveranstaltungen wie diese eine Art „Türöffner“, sagte Petra Karallus von der Krisenhilfe Münster. Viele Betroffene würden sich dann eher trauen, einen ersten Schritt zu machen und über ihren Schmerz sprechen. Die vielen persönlichen Erzählungen von Betroffenen aus dem Publikum im Anschluss an die Buchvorstellung schienen das zu bestätigen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7045226?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker