Serie: Ideenbörse Verkehr
Wenn die Arbeitszeit bereits im Zug beginnt

Münster -

Wie kann man den Autoverkehr in Münster entlasten und zugleich den Bürostandort Münster stärken? Ein Unternehmer hat folgende Idee: Bedienstete, die mit Bus und Bahn zur Arbeit pendeln und während der Fahrt mit dem Laptop arbeiten, sollen die Zeit als Arbeitszeit vergütet bekommen.

Dienstag, 12.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 08:17 Uhr
So mancher Berufspendler, der mit dem Auto unterwegs ist, würde auf Bus und Bahn umschwenken, wenn er darin mit dem Laptop arbeiten könnte und die Zeit als Arbeitszeit anerkannt werden würde.
So mancher Berufspendler, der mit dem Auto unterwegs ist, würde auf Bus und Bahn umschwenken, wenn er darin mit dem Laptop arbeiten könnte und die Zeit als Arbeitszeit anerkannt werden würde. Foto: dpa

Eine Bemerkung vorab: Der hier präsentierte Vorschlag kommt von einem Unternehmer. Von einem bekannten Unternehmer sogar, der gleichwohl seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Die Frage, die sich dieser Unternehmer stellt: Wie kann man Münster vor dem Verkehrskollaps bewahren und zugleich als Bürostandort stärken? Seine Antwort: „Wenn ein Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit im Bus oder im Zug am Laptop sitzt und arbeitet, dann sollte das auf die Arbeitszeit angerechnet werden.“

Entlastung im Verkehr

Münsters große Dienstleistungsunternehmen und Behörden mit Tausenden Arbeitsplätzen, davon ist der Münsteraner überzeugt, könnten mit anderen Arbeitszeitregelungen einen wesentlichen Beitrag zur verkehrlichen Entlastung beitragen.

Die These Nummer eins des Unternehmers: „Die meisten Mitarbeiter in einem Bürojob checken morgens in den ersten 30 Minuten ihrer Arbeitszeit die eingegangenen Mails und beantworten sie.“ Die These Nummer zwei des Unternehmers: „Viele Bürobedienstete, die aus dem Umland kommen, fahren lieber mit dem Auto statt mit Bus und Bahn zur Arbeit, weil es schneller geht.“

Wenn also nun ein Bürobediensteter auf dem Weg zur Arbeit seine Mails checkt und ihm diese Zeit angerechnet wird, dann bekäme er einen ganz entscheidenden Anreiz, mit Bus oder Bahn zu fahren. Denn als Autofahrer muss er sich auf den Verkehr konzentrieren.

Da in überfüllten Zügen und engen Bussen die Laptop-Arbeit nun wahrlich kein Zuckerschlecken ist, kommt von dem Münsteraner gleich ein weiterer Vorschlag, der sich an große Firmen oder Firmenverbünde wendet.

Mobiles Großraumbüro

In den wichtigsten Umlandgemeinden könnten morgens moderne und mit Tischen ausgestattete Busse starten und die Mitarbeiter einsammeln – sozusagen das mobile Großraumbüro auf dem Weg nach Münster. Im Idealfall ginge es am späten Nachmittag in umgekehrter Richtung zurück. Wieder mit Laptop, um die letzten Tabellenkalkulationen vorzunehmen und die letzten Mails vor dem Feierabend zu verschicken.

Der Vorteil dieses Systems würde schlicht darin bestehen, dass sich der Zeitvorteil einer Pendelei mit dem Auto als Nachteil entpuppt, weil in Bus oder Bahn ja die Fahrt wie Arbeitszeit betrachtet wird und es sich folglich um „bezahlte Zeit“ handelt.

Der Ideengeber räumt ein, dass viele Fragen zu klären wären: Fragen des Datenschutzes, Fragen einer stabilen Internetverbindung während der Fahrt. Aber die Fragen der Verkehrsbewältigung in Münster, da ist sich der Unternehmer sicher, „sind schwerer zu klären.“

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