Landgericht sieht keinen Tat-Rücktritt
Sieben Jahre Haft für 22-jährigen Münsteraner

Münster -

Mit dem strafbefreienden Rücktritt soll Straftätern eine „Goldene Brücke“ zurück in die Legalität gebaut werden. Im Falle eines 22-Jährigen, der im Mai versucht hatte, eine „Netto“-Filiale in Roxel auszurauben, sah das Landgericht allerdings eher einen Fall von Einsicht in das eigene Scheitern – und verurteilte den Münsteraner zu einer langen Freiheitsstrafe.

Mittwoch, 13.11.2019, 20:00 Uhr
 
  Foto: Rieke Tombült

Zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren wurde ein 22-jähriger Münsteraner verurteilt, der im Mai dieses Jahres unter anderem versucht hatte, eine „Netto“-Filiale in Roxel auszurauben. Für den seit frühester Jugend drogenabhängigen Angeklagten wurde zudem die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Zuvor muss er jedoch 18 Monate den sogenannten Vorwegvollzug in einer Haftanstalt verbüßen.

Die während der Beweisaufnahme diskutierte Frage, ob der 22-Jährige strafbefreiend von seiner Tat zurückgetreten sei, weil er vor Vollendung aus dem Supermarkt floh, verneinte die 8. Strafkammer des Landgerichts und nahm stattdessen einen fehlgeschlagenen Versuch an.

Zwei Schüsse auf das Netto-Kassenband

Der Angeklagte habe vielmehr erkannt, dass er das Geld aus der Kasse nicht mehr erhalten würde, nachdem die Kassiererin ihre Mitwirkung wiederholt verweigert und er mit der mitgebrachten Gaspistole bereits zwei Schüsse auf das Kassenband abgegeben hatte.

In einem solchen Fall ist der strafbefreiende Rücktritt ausgeschlossen, da der Sinn und Zweck dieser strafrechtlichen Konstruktion, nämlich dem Täter eine „Goldene Brücke“ zurück in die Legalität aufzuzeigen, nicht erfüllt wird.

Überfall auf Westfalen-Tankstelle

Zudem bejahte die Kammer die Täterschaft des Münsteraners auch hinsichtlich des Überfalls auf die Westfalen-Tankstelle im selben Monat. Dies gleichwohl aufgrund einer – wenn auch dichten – Indizienkette. Der mit einer Sturmhaube vermummte Täter konnte mit Beweismitteln nicht eindeutig identifiziert werden.

Allerdings wurde die DNA des Angeklagten auf dem Lenker des Fahrrades sichergestellt, das vom Täter als Blockademittel in die Schiebetür der Tankstelle geschoben worden war. Zudem fand die Polizei bei einer Hausdurchsuchung ein Einhandmesser – die mutmaßliche Tatwaffe. Mit einem solchen war nämlich auch der Angestellte der Tankstelle bedroht worden.

Drogenbedingte Psychose

Anders als in der Netto-Filiale vollendete der Täter hier seinen Überfall, indem er 1045 Euro entwendete. Tateinheitlich stellte das Gericht bei beiden Fällen der besonders schweren räuberischen Erpressung Körperverletzungsdelikte fest.

Der 22-jährige, der aufgrund seiner Sucht an einer drogenbedingten Psychose leidet, war mit Hand- und Fußfesseln in den Sitzungssaal geführt worden, da er sich beim Transport von der Justizvollzugsanstalt zum Gericht sehr aggressiv verhalten hatte. Zumindest die Handschellen wurden ihm auf Anordnung des Vorsitzenden zu Beginn des Termins jedoch abgenommen.

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