Alkohol-Präventionskampagne „Voll ist out“
Vollrausch ist eine Schnapsidee

Münster -

Der Trend stimmt positiv: Jugendliche konsumieren weniger Alkohol. Zurücklehnen können sich die Verantwortlichen der Präventionskampagne „Voll ist out“ aber dennoch nicht.

Donnerstag, 14.11.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 15:30 Uhr
Bernhard Paschert, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit im Jugendamt (r.), und Georg Piepel, Fachstellenleiter der Drogenhilfe und „Vater“ der nunmehr 16 Jahre alten Präventionskampagne „Voll ist out“ stellen das neue Plakatmotiv vor.
Bernhard Paschert, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit im Jugendamt (r.), und Georg Piepel, Fachstellenleiter der Drogenhilfe und „Vater“ der nunmehr 16 Jahre alten Präventionskampagne „Voll ist out“ stellen das neue Plakatmotiv vor. Foto: Matthias Ahlke

Die gute Nachricht vorweg: Der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol trinken, ist in den letzten zwölf Jahren kontinuierlich gesunken und befindet sich mit 8,7 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Außerdem ist das sogenannte Rauschtrinken rückläufig, die Zahl der Krankenhauseinlieferungen in Münster (2017: 93) gehen zurück, und es gibt immer mehr Jugendliche, die überhaupt keinen Alkohol trinken.

Zurücklehnen können sich Bernhard Paschert vom Jugendamt und Georg Piepel, Fachstellenleiter der Drogenhilfe und „Vater“ der nunmehr 16 Jahre alten Präventionskampagne „Voll ist out“, aber trotzdem nicht. Das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum liegt mit 14,9 Jahren immer noch mehr als ein Jahr vor dem gesetzlichen Mindestalter. „Und wir stellen fest, dass unter den jungen Erwachsenen, also den 18- bis 25-Jährigen, das Rauschtrinken nach rückläufigem Trend wieder verbreiteter ist“, sagt Paschert am Donnerstag während einer Pressekonferenz.

Jungs trinken mehr als Mädchen

Die Kampagne packt deshalb in diesem Jahr schwerpunktmäßig das Thema Gruppendynamik an. „Bei uns stürzt keiner ab“, ist das neue Plakat untertitelt, auf dem eine Gruppe an der Feiermeile am Hafen jemanden, dem der Absturz droht, auffängt. Man versuche, so Piepel, für eine positive Gruppendynamik zu werben. Das ginge ganz gut über die Mädchen, die oft keine Lust hätten, dass sich Jungs – übrigens immer noch deutlich anfälliger für Alkoholmissbrauch als Mädchen – volllaufen lassen.

Neben Plakaten und persönlicher Kontaktaufnahme der sieben Zweierteams, die – ab Januar ganzjährig, aber verstärkt in der Karnevalszeit – durch Münster ziehen, um über Alkoholkonsum aufzuklären, setzt die Kampagne verstärkt auf Social Media, um die Zielgruppe zu erreichen.

Doch sind Jugendliche in der Praxis wirklich empfänglich für Kampagnen? „Durchaus“, sagt Piepel. Eine Studie habe gezeigt, dass allein die Plakate signifikante Auswirkungen auf das Trinkverhalten haben. Außerdem sei „Voll ist out“ durch die Kontinuität des Projekts 85 Prozent der Zielgruppe bekannt.

Man kämpfe zwar gegen eine übermächtige Wirtschaftsbranche, aber man schaue hoffnungsvoll nach Brüssel, wo über ein Werbeverbot für Alkohol nachgedacht wird. „Dass Alkohol hierzulande die Volksdroge Nummer eins ist, muss man wohl akzeptieren. Unsere Aufgabe ist es aber, Jugendliche im verantwortungsvollen Umgang damit zu schulen“, sagt Piepel.

Zum Thema

In einem Gewinnspiel fragt „Voll ist out“ nach Tipps für „absturzfreies Feiern“ mit der Clique. Die münsterische Kaufmannschaft hat Preise gestiftet. Teilnehmen kann man auf der Webseite (vollistout.stadt-muenster.de) und Instagram (#vollistout).

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