Stahlrecycling-Unternehmer kritisieren Klimapolitik
Schrott als wertvoller Rohstoff der Zukunft

Münster -

„Schrott ist sexy“, weil es der Rohstoff der Zukunft ist. Rund 600 Unternehmen aus ganz Deutschland haben bei der Jahrestagung der Bundesvereinigung der Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen in Münster auf die Bedeutung der Branche hingewiesen – und die derzeitige Klimapolitik kritisiert.

Freitag, 15.11.2019, 12:00 Uhr
Mit pfiffigen Sprüchen macht die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) auf die Klimaschutz-Bedeutung ihrer Branche aufmerksam. Hier Hauptgeschäftsführer Dr. Rainer Cosson (r.) am BDSV-Stand in der Messehalle.
Mit pfiffigen Sprüchen macht die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) auf die Klimaschutz-Bedeutung ihrer Branche aufmerksam. Hier Hauptgeschäftsführer Dr. Rainer Cosson (r.) am BDSV-Stand in der Messehalle. Foto: hö

„Schrott ist sexy“ und „Schrott muss man können“: Mit pfiffigen Slogans machten rund 600 Unternehmer aus dem gesamten Bundesgebiet am Mittwoch und Donnerstag bei der Jahrestagung der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) auf den wichtigen Stellenwert ihrer Branche beim Klimaschutz aufmerksam. Zudem wurde die derzeitige Politik kritisiert. „Bei ihrem Klimapaket hat die Bundesregierung die Bedeutung des Stahlrecyclings vergessen“, brachte es Stephan Karle, stellvertretender BDSV-Präsident, auf den Punkt.

„Schrottbonus“ für die Umwelt

Zur Untermauerung dieses Arguments präsentierte der Verband am Donnerstag vor der Presse die Ergebnisse einer Studie des Fraunhofer Instituts IMWS. Wissenschaftler kommen danach zu dem Ergebnis, dass die Stahlindustrie mit einer Tonne recyceltem Schrott aus rostfreiem Edelstahl (Töpfe, Besteck, Brauereitanks, Großküchenelemente etc.) rund 4,3 Tonnen CO2 einspart. Beim Einsatz der gleichen Menge von Kohlenstoffstahlschrott (vor allem Autos und Maschinen) betrage die Einsparung durchschnittlich 1,67 Tonnen CO2. Oder anders ausgedrückt: „Nutzt man eine Tonne Schrott aus Kohlenstoffstahl, statt Erze einzusetzen, wird so viel CO2 eingespart wie ein durchschnittlicher Pkw mit Benzinmotor in Deutschland bei einer Fahrstrecke von 9000 Kilometern ausstößt.“ Den volkswirtschaftlichen Nutzen der vermiedenen Umweltschäden haben die Ökonomen in Geldeinheiten umgerechnet und „Schrottbonus“ genannt. Und der liegt demnach zwischen 79 und 213 Euro je nach Recyclingstahlart.

Die Politik muss eine Recyclingquote für Stahlschrott festlegen.

Andreas Schwenter, Präsident des Stahlschrott-Verbands BDSV

Die Branche gibt sich angesichts dieser Zahlen selbstbewusst. Sie leiste schon seit Jahren, lange bevor Greta Thunberg sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben habe, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Eine der Hauptforderungen: „Die Politik muss eine Recyclingquote für Stahlschrott festlegen“, so der Präsident des Stahlschrott-Verbands BDSV, Andreas Schwenter. Zudem müssten endlich die volkswirtschaftlichen Folgekosten der Stahlindustrie in den Marktpreisen abgebildet werden. Die Stahlrecycling-Unternehmer bringen es auf eine griffige Formel: „Schrott ist sexy, denn es ist der Rohstoff der Zukunft.“

Gefahr durch falsche Entsorgung

Um dies voranzutreiben, seien auch die Verbraucher gefordert. Wöchentlich komme es bei deutschen Stahlrecyclern zu Bränden, weil Lithium-Ionen-Akkus mit Tablets, Handys, Digitalkameras oder Spielzeugen im Metallcontainer statt bei den Gefahrstoffen auf kommunalen Recyclinghöfen landen.

In Deutschland entfallen inzwischen 44 Prozent der Stahlproduktion auf recyclete Rohstoffe, betonte Präsidiumsmitglied Ralph Wager. Oder anders ausgedrückt: „Etwa die Hälfte eines Autos oder Fahrrades besteht aus recyceltem Stahl.“ Die Interessen des in Düsseldorf ansässigen BDSV hat in den vergangenen Jahren übrigens der Wahl-Münsteraner Dr. Rainer Cosson als Hauptgeschäftsführer vertreten. Er wird das Amt zum Jahresende altersbedingt an Thomas Junker (48) übergeben.

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