Antje Vogel lebt ein Leben mit der Kunst
So eine coole 80-Jährige

Münster -

Wer bei Antje Vogel zur Tür hereinkommt, erblickt nicht nur viel qualitätvolle Kunst an den Wänden – die versteht sich hier von selbst. Der Gast bekommt seinen Kaffee außerdem in Porzellantassen, die mit fröhlichen Bildern der Illus­tratorin verziert sind. „Die sind von Arzberg“, sagt sie: „Die Firma wollte damals eine eigene Kollektion und keine Motive mit bereits bekannten Figuren.“ Die Tassen sind signiert: „Antje Vogel, 1996“. Da war sie noch keine 60.

Freitag, 15.11.2019, 23:30 Uhr
Nomen est omen: Antje Vogel ist bekannt wie ein bunter Vogel, seit ihrem Auftritt auf Vox bei „Shopping Queen“ auch in der ganzen Fernsehrepublik.
Nomen est omen: Antje Vogel ist bekannt wie ein bunter Vogel, seit ihrem Auftritt auf Vox bei „Shopping Queen“ auch in der ganzen Fernsehrepublik. Foto: Arndt Zinkant

Wer bei Antje Vogel zur Tür hereinkommt, erblickt nicht nur viel qualitätvolle Kunst an den Wänden – die versteht sich hier von selbst. Der Gast bekommt seinen Kaffee außerdem in Porzellantassen, die mit fröhlichen Bildern der Illus­tratorin verziert sind. „Die sind von Arzberg“, sagt sie: „Die Firma wollte damals eine eigene Kollektion und keine Motive mit bereits bekannten Figuren.“ Die Tassen sind signiert: „Antje Vogel, 1996“. Da war sie noch keine 60.

An diesem Samstag wird die bekannte Illustratorin – die mit dem bekanntem Galeristen Claus Steinrötter verheiratet ist – 80 Jahre alt. Die gut gelaunte Seniorin mit der kecken grauen Haartolle gibt sich von der Zahl völlig unbeeindruckt. „Im Kopf bleibt man doch immer derselbe Mensch.“ Und man lerne, sich selbst mit dem Alter ganz und gar zu akzeptieren. „Ich habe keine Probleme mehr mit mir“, lächelt sie milde. Ihre eigene Arbeit habe sie ohnehin nie infrage gestellt. „Ein ganzes Buch abgeben, an dem man Zweifel hat? Nie!“

Wie viele Bücher sie bis heute gemacht hat? „Ich habe neulich mal nachrecherchiert – es müssen so knapp 30 sein.“ Viele wurden in Fremdsprachen übersetzt. „Das große Buch für kleine Gärtner“ gibt es sogar auf Japanisch, worüber sich die Künstlerin besonders freut. Antje Vogel hat nämlich ein Faible für Japan, obwohl die Münsteranerin noch niemals dort gewesen ist (oder gerade deswegen?). Überhaupt: „Reisen ist das Beste, was man machen kann.“ Indonesien, Australien, Türkei – viele Länder haben sie und ihr Mann bereits gesehen.

Der gemeinsame Sohn Kolja Steinrötter ist ebenfalls erfolgreicher Galerist in Münster. Und es wird wohl niemanden verwundern, dass die Eltern vor über 45 Jahren durch die Kunst zueinander fanden: Als das noch unbekannte Talent Antje Vogel auf der Suche nach einem Galeristen war, hieß es: „Geh doch mal zu Steinrötter!“ Also packte sie die Kunst-Mappe in ihre Ente und fuhr in die Kleine Bergstraße, wo Claus Steinrötter seine erste Galerie hatte. Und der stellte sie nicht nur aus, sondern verkaufte auch sämtliche Bilder am Tag der Vernissage; etwa 1969 sei das gewesen. Bis zum Verlieben dauerte es aber dennoch ein bisschen.

Das künstlerische Handwerk hatte die junge Antje zuvor von ihrem Vater gelernt: C.W. Vogel, der ein Maler und stadtbekannter Ausstattungsleiter am Theater war. Dort fing sie als Kind auch für die Bühne Feuer. „Schauspielerin durfte ich aber nicht werden, denn Väter waren damals die Bestimmer“, sagt Antje Vogel. Kleine Rollen hat sie dennoch gelegentlich übernommen. „So ist es kein unerfüllter Traum geblieben.“

Und gibt es noch unerfüllte Träume? Nun, zumindest an einem Projekt arbeitet Antje Vogel aktuell: Einem Bilderbuch über die Spinne „Rosie“, die in einer Bananenkiste übers Meer nach Europa kommt, sich einsam fühlt und nach Anschluss sucht. Eine Tarantel gleichen Namens hatte sie vor Jahren im „Butterfly Pavilion“ in Denver „kennengelernt“, sprich: mutig auf die Hand genommen. Es waren Bilder von Bootsmigranten auf dem Mittelmeer, die sie bewogen, das sechs Jahre liegengebliebene Buchprojekt wieder aus der Schublade zu holen.

Ach ja, wie war das noch mal mit dem aktuellen Fernseh-Ruhm der „Shopping Queen“? Purer Zufall. Schwiegertochter Jessi hatte sich erfolgreich für die beliebte Sendung beworben, und das Team wurde beim Heim-Dreh auch auf Antje Vogel aufmerksam. Sie erinnert sich noch lächelnd an den Ausspruch des Fernseh-Profis: „So eine coole 78-Jährige hab’ ich ja noch nie gesehen!“

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