Stabat Mater in der Apostelkirche
Marienklage mit großem Gefühl

Münster -

Das „Stabat Mater“ von Antonin Dvořák ist ein besonders emotionsgeladenes Werk. Und so wurde es von der Kantorei an der Apostelkirche auch aufgeführt.

Sonntag, 17.11.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 17.11.2019, 15:34 Uhr
Dirigent Konrad Paul inmitten von Chor, Orchester und dem Solistenquartett.
Dirigent Konrad Paul inmitten von Chor, Orchester und dem Solistenquartett. Foto: Arndt Zinkant

Ein wahrhaft prachtvolles Werk, das Konrad Paul sich für sein erstes großes Oratorienkonzert an der Apostelkirche ausgesucht hatte: Das „Stabat Mater“ von Antonin Dvořák. Seit April dieses Jahres ist Paul nun Kantor an der Apostelkirche, und er hat für Chor-Romantik ein besonderes Händchen. Das war dem prächtigen Konzert am Samstag denn auch anzumerken. Langer, rauschender Applaus war der Lohn für eine Aufführung von hohem Können und hoher Ausdruckskraft.

Anders ist einem so intensiven Sakralwerk auch nicht beizukommen. Bei keiner Aufführung fehlt der Hinweis darauf, dass Dvořák den Schmerz der Gottesmutter angesichts des Gekreuzigten wohl gut selbst erfühlen konnte – hatte ihm der Tod doch alle drei Kinder binnen weniger Jahre entrissen. So klingt denn auch dieses Stück besonders intensiv und tief empfunden, wenngleich sich der „böhmische Musikant“ Dvořák auf seine legendäre Inspiration immer verlassen konnte.

Beim Stabat Mater führte sie nicht nur zu einnehmender Melodik, sondern auch zu einer ungewöhnlichen orchstralen Pracht, die dem Chor mehr als akkordische Stütze gibt. Da dräut bereits im ersten Satz „Stabat mater dolorosa“ die düstere Wolkendecke der siebten Symphonie. Und beim sechsten Satz „Fac me vere tecum flere“ hört man jenen lichten, Dvořák-typischen Mischklang aus jauchzenden Violinen und Holzbläsern. Das Folkwang-Kammerorchester Essen ist der rechte Klangkörper dafür.

Und Konrad Pauls Dirigierstil deutet bereits an, was die Klänge auch einlösen: Hier geht es um Ausdrucksmusik. Dem Kirchenmusiker ist nicht die Ziselier-Arbeit eines Uhrmachers am wichtigsten, sondern die emotionale Wucht des Werkes. Und da leistet auch die Kantorei an der Apostelkirche ganze Arbeit. Klanglich sehr geschlossen (und auch in den Männerstimmen stark besetzt) spürt der Chor dem Schmerz wie auch der Hoffnung der Musik nach. Zum Beispiel im Satz „Eja Mater“, wo die weich seufzenden Streicher mit dem kernigen Klang der Chor-Bässe kontrastieren.

Es mag vielleicht gefälligere Stimmen geben als die des Solistenquartetts – aber darauf kam es an diesem Abend nicht an. Auch hier galt: Ausdruckskraft ist alles. Inga-Britt Andersson (So­pran), Eva Trummer (Alt), Albrecht Kludszuweit (Tenor) und Jens Hamann (Bass) warfen alles an Emotion in die Waagschale. Bis die unzerstörbare Hoffnung des Glaubens, die der Komponist fühlte, in der triumphalen Schlussfuge hervorbrach wie Sonne durch Wolken.

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