Premiere der Amateurbühne Münster-Ost mit „Dschungelbuch“
Hypnotische Kraft der Wildnis

Münster -

„Macht euch doch nicht zum Affen“, seufzt König Louis (Markus Sasse) etwas entnervt, als ein kollektiver Schabernacksanfall seine quirligen kleinen Gefolgsleute schüttelt. Die Amateurbühne Münster-Ost hat die „Abenteuer aus dem Dschungelbuch“ mit ebenso quirlig auf die Bühne gebracht. Große Familienunterhaltung mit der Dschungelfamilie.

Montag, 18.11.2019, 18:22 Uhr
Prächtige Kostüme, viele begeisterte Spieler – die Amateurbühne bietet wieder große Familienunterhaltung.
Prächtige Kostüme, viele begeisterte Spieler – die Amateurbühne bietet wieder große Familienunterhaltung. Foto: Wolfgang A. Müller

„Macht euch doch nicht zum Affen“, seufzt König Louis (Markus Sasse) etwas entnervt, als ein kollektiver Schabernacksanfall seine quirligen kleinen Gefolgsleute schüttelt. Denn das Oberhaupt des Primatenclans verfolgt das ehrgeizige Ziel, so wie die Menschen die Macht über das Feuer zu erlangen. Helfen soll ihm Mogli (Felix Langen), der von Wölfen aufgezogene Findling. Doch Louis ist nicht der einzige, der es auf den Jungen abgesehen hat. Der Tiger Shir Khan (Matthias Nowak) wittert einen Rivalen, den er ausschalten will.

Bei der Premiere von „Abenteuer aus dem Dschungelbuch“ der Amateurbühne säumt ein Vorhang aus 698 schmalen, grünlich-bräunlichen Textilstreifen das Auditorium und taucht das Publikum zu Urwaldgeräuschen in eine Welt fernab des Alltäglichen. In Rudyard Kiplings weltberühmten Geschichten und auch in Walter Edelmanns Bühnenbearbeitung, die hier traditionell üppig ausgestattet und mit 49 respektive 45 großen und kleinen Darstellern in zwei Besetzungsschichten inszeniert wird, zeigt sich schnell: Im indischen Urwald herrschen andere Sitten. Und Sippen.

Nach und nach begegnet man den Charakteren und Fraktionen einer gleichsam in Stämme und diverse Einzelgänger geteilten Dschungelgesellschaft, deren Leben durch die Ankunft eines Menschen aufgewirbelt wird. Dabei entfalten die Darsteller im Eltrop-Heim unter der Regie von Beate Ruhkamp und Beate Isken-Göttfert allesamt eine hinreißende Dynamik. Wie Kipling die Perspektive der Tiere einzunehmen versuchte, verschmelzen sie hinter den aufwendigen Masken und Kostümen und mit ausgefeilter Körpersprache zu Kreaturen der Wildnis. Fast könnte man – wie offensichtlich einige der jüngsten Zuschauer in den ersten Reihen – vergessen, dass es sich um Menschen in Plüschgewändern handelt.

Nicht nur wenn die immer etwas ernst und düster wirkenden Wölfe und Shir Khan sich veritabel knurrend konfrontieren, die Affenbande jäh aufdreht oder die Elefantenpatrouille wankend stapft, wirkt eine traumhafte spielerische Chemie. Eine mitunter hypnotische Atmosphäre, getragen auch von Bühnenbild und Beleuchtung, entfaltet sich nicht zuletzt, wenn die Riesenschlange Kaa (Marion Stichling-Isken) zwei Stinktieren ein „verdufff-tet, ihr Witzzz-figuren“ zuzischt oder zu sich windender Gesangsmelodie Mogli, den agilen Panther Baghira (Beatrice Paul) und den knuffigen Bären Balu (Christian Neuhaus) in Trance verfallen lässt.

Die Musik, sorgsam von Frank Theismann und Lukas John bearbeitet, beschwingt mit zahlreichen Ohrwürmern, greift beim Lied der mysteriösen und stets bruchlandungsgefährdeten Geier derweil aber auch zu nachhaltig wirkenden, schwebenden Dissonanzen. Schließlich bleibt sicher auch Moglis solidarischer, vom Bären gelehrter „Meisterspruch“ haften, mit dem er selbstbewusst die Gefahren der Wildnis überwindet: „Du und ich und ich und du, wir sind vom gleichen Blute.“ Große Familienunterhaltung mit der Dschungelfamilie, eben.

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