Beratungsstelle feiert Geburtstag
40 Jahre Hilfe für Gehörlose

Münster -

Ihre Aufgabe besteht in der konkreten, alltäglichen Unterstützung. Doch die Beratungsstelle für hörbehinderte Menschen betreibt auch Lobbyarbeit: Die Gesellschaft für die Probleme Gehörloser zu sensibilisieren – das schwingt seit 40 Jahren in der Arbeit mit. Der runde Geburtstag wird am Freitag (22. November) gefeiert.

Donnerstag, 21.11.2019, 17:10 Uhr aktualisiert: 21.11.2019, 18:12 Uhr
Ute Tillmann (l.) und Esther Lißeck haben mit der Beratungsstelle schon viel erreicht, um Taubheit und Schwerhörigkeit stärker in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und hörbehinderten Menschen damit konkret helfen zu können. Beide sind sich allerdings einig, dass noch viel zu tun bleibt.
Ute Tillmann (l.) und Esther Lißeck haben mit der Beratungsstelle schon viel erreicht, um Taubheit und Schwerhörigkeit stärker in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und hörbehinderten Menschen damit konkret helfen zu können. Beide sind sich allerdings einig, dass noch viel zu tun bleibt. Foto: tw

Ob Hilfe bei der Jobsuche, Beratung bei familiären Problemen oder die Vermittlung von Dolmetschern: Seit zwei Jahrzehnten unterstützt die „Beratungsstelle für hörbehinderte Menschen in Münster“ taube und schwerhörige Menschen. Immer mit dem Ziel, „dass Gehörlose in Münster möglichst barrierefrei leben können“, erklärt Esther Lißeck, die seit 16 Jahren die Leitung inne hat.

Zum Start der Beratungsstelle, die 1979 von Sozialarbeiter Klaus Hoffmann gegründet wurde, lag der Fokus auf Übersetzerarbeiten, erklärt Lißeck. Mangels Übersetzern und fehlender öffentlicher Wahrnehmung waren Gehörlose allerdings häufig ausgegrenzt, bestätigt die Sozialarbeiterin, die selbst mit einem gehörlosen Bruder aufwuchs.

„Da hat sich schon einiges getan“, meint Lißeck. So trug vor allem die Anerkennung der deutschen Gebärdensprache im Jahr 2001 dazu bei, dass Gehörlose mehr Selbstständigkeit erlangten. Dieser Anspruch würde aber selbst heute nicht überall umgesetzt. „Selbst in Schulen für Gehörlose gibt es Klassen ohne Dolmetscher“, empört sich Lißeck.

Dieses und weitere Defizite zeigten, dass noch viel zu tun bleibe, bestätigt auch Ute Tillmann, die seit dem vergangenen Jahr den zusätzlichen Beratungszweig für Schwerhörige anbietet. „Nur mit einem Hörgerät ist es eben nicht getan“, meint die Beraterin.

Schwerhörige seien im Umgang mit Hörenden schneller erschöpft oder hätten Angst davor, etwas nicht zu verstehen oder nachfragen zu müssen. Daraus könnten sich normale Situationen wie das gemeinsame Mittagessen mit Kollegen zu wahren Stresssituationen ent wickeln, bestätigt Tillmann, die selbst schwerhörig ist.

„Hier braucht es noch mehr Verständnis von Seiten der Hörenden“, fordert Tillmann. Ihr und Lißecks Wunsch: Die rund 180 Gehörlosen und rund 50 000 Schwerhörigen in Münster werden selbstverständlich mit einbezogen, sodass irgendwann alles für alle zugänglich ist.

Das Jubiläum wird am heutigen Freitag um 12.30 Uhr im Kulturzentrum für Gehörlose in Mecklenbeck, Brockmannstraße 146, mit einem bunten Programm von münsterischen Gehörlosen und weiteren Künstlern gefeiert.

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