AfD-Politiker vor Gericht
Ratsherr Martin Schiller wegen Körperverletzung verurteilt

Münster -

Nach knapp vierstündiger Gerichtsverhandlung hat der münsterische AfD-Ratsherr Martin Schiller am Freitagnachmittag seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen einfacher Körperverletzung zurückgezogen. 

Freitag, 22.11.2019, 12:40 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 18:07 Uhr
AfD-Politiker vor Gericht: Ratsherr Martin Schiller wegen Körperverletzung verurteilt
AfD-Ratsherr Martin Schiller sagte am Freitag vor dem Amtsgericht Münster aus. Foto: Martin Kalitschke

Anderenfalls hätte ihm womöglich eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung – und damit eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren – gedroht, wie der Richter betonte.

Zu Beginn der Verhandlung hatte Schiller noch auf einen Freispruch gesetzt, nun muss er eine Strafzahlung in Höhe von 2100 Euro leisten. Der
AfD-Politiker zeigte sich dennoch mit dem Ergebnis zufrieden: „Mir war es wichtig, die Sache noch einmal aufzurollen“, so Schiller. "Die Sache“ liegt schon eineinhalb Jahre zurück. 

Aus der Toilette vor die Tür getragen

Am Rande einer im April 2018 von der AfD organisierten Lesung in der Stadtbücherei soll Schiller einen 60-jährigen Frührentner, der die Toilette im Untergeschoss aufsuchen wollte, mit einem Faustschlag gegen die Schulter verletzt und danach unter Mithilfe zweier AfD-Anhänger aus dem Toilettenbereich getragen und vor der Bücherei abgelegt haben. Der Frührentner erlitt bei dem Vorfall unter anderem Hämatome und Schwellungen.

Demonstration gegen AfD-Veranstaltung in Münster

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  • Großer Protest gegen eine AfD-Veranstaltung in der Stadtbücherei am Mittwochabend.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Um 19 Uhr haben sich über 500 Demonstranten versammelt. Viele haben Schilder gebastelt, oder gleich Transparente und Fahnen dabei.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bevor das Programm der Kundgebung startet, gilt es für die Polizei erstmal, die Menschen in den dafür vorgesehenen Bereich zu bringen. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Für diejenigen, die ab 19.30 Uhr in die Bücherei wollen, vornehmlich ältere Herrschaften, ...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... wird der Gang dagegen zum Spießrutenlauf.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Gegen die Lesung hatte das „Keinen Meter den Nazis“-Bündnis zum Protest aufgerufen. 

    Foto: Matthias Ahlke
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  • Foto: Matthias Ahlke

Schiller bestritt vor Gericht, den 60-Jährigen, der sich aggressiv verhalten und gedroht habe, an Ort und Stelle zu urinieren, mit der Faust geschlagen zu haben. Er räumte jedoch ein, dass er den Mann mit Unterstützung von den Toiletten ins Obergeschoss getragen und ins Freie gebracht hat. „Ja, ich habe ihn fest angepackt, ich wollte ja nicht, dass er herunterfällt“, so Schiller.

Das Opfer bestritt Schillers Version. Dieser habe ihm sofort einen Schlag gegen die Schulter verpasst – und dies damit begründet, dass er während der Veranstaltung im Besitz des Hausrechtes sei. Am Tag darauf stellte sich der Frührentner beim Arzt vor, der mehrere Verletzungen diagnostizierte.

Hausrecht nicht übertragen

Ob Schiller den 60-Jährigen tatsächlich mit der Faust geschlagen hat, konnte vor Gericht nicht abschließend festgestellt werden. Von ihm
benannte Zeugen bestritten die Version des Opfers einmütig. Die frühere Leiterin der Stadtbücherei wiederum bestritt, dass sie Schiller an
jenem Abend das Hausrecht übertragen hatte. 

Zweifelsfrei wurde festgestellt, dass der AfD-Ratsherr den Frührentner mit zwei Helfern gegen dessen Willen die Treppe von den Toiletten ins Obergeschoss hochtransportierte – ein Zeuge hatte den Vorgang mit der Kamera festgehalten. Weil Schiller dabei nicht alleine, sondern mit Unterstützung handelte, würde dies im Falle einer Verurteilung nicht nur als einfache, sondern sogar als gefährliche Körperverletzung bewertet,
so der Richter.

Schiller entschied sich daraufhin, den Strafbefehl, gegen den er Einspruch eingelegt hatte, nun doch zu akzeptieren – und damit weiter als „nicht vorbestraft“ zu gelten.

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