Neuer Verlauf der Bundesstraße 54
Weniger Autos vorm Schloss

Münster -

Die Veränderung steht zunächst nur auf dem Papier, aber sie soll eine weitreichende Wirkung entfalten: Die B 54 verläuft ab 2020 auf einer anderen Trasse durch Münster.

Freitag, 22.11.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 20:17 Uhr
Neuer Verlauf der Bundesstraße 54 : Weniger Autos vorm Schloss
Verkehrlich stark belastet ist die Straße Schlossplatz in Münsters Altstadt. Mit der Verlagerung der B 54 auf den Ring wollen CDU und Grüne die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Autoverkehr hier reduziert wird. Foto: Ahlke/Christ

Die Veränderung existiert vorerst nur auf dem Papier – und kein Autofahrer wird am 1. Januar 2020 davon etwas merken. Aber die langfristigen Auswirkungen der neuen Trassenführung werden ganz erheblich sein, da war man sich in der Sitzung des Planungsausschusses einig.

Der städtische Verkehrsplaner Ralf Renkhoff teilte mit, dass die von der Stadt Münster beantragte Verlegung der B 54 in Richtung Westen genehmigt worden sei. 2016 hat die Stadt einen entsprechenden Antrag beim Landesbetrieb Straßen NRW gestellt, über den in letzter Instanz dann das Bundesverkehrsministerium entschieden hat. Mit der Verlagerung verfolgt die Stadt das Ziel, den überregionalen Verkehr von der Achse Steinfurter Straße, Schlossplatz und Stadtgraben wegzubekommen. Auch der Ludgeriplatz ist künftig nicht mehr Teil der B 54.

B 54 künftig über Ring

Vereinfacht gesprochen, verläuft die B 54, die von Gronau kommt und nach Hamm führt, künftig nicht mehr entlang des Schlossplatzes, sondern sie führt über den Ring.

In Reaktion auf diese Veränderung hat das schwarz-grüne Ratsbündnis bereits einen Antrag eingebracht, der einen „Rückbau“ der heute vierspurigen Straße Schlossplatz zum Ziel hat. Dafür sollen im kommenden Jahr 100 000 Euro Planungskosten zur Verfügung stehen. Zugleich bekannte sich das Ratsbündnis aber auch zum Ausbau des Kolde-Rings. Auf dem jetzt zur Bundesstraße erhobenen Teil des Ringes ist der Kolde-Ring der einzige Abschnitt, der nicht über vier Spuren verfügt.

Nach Auskunft von Ralf Renkhoff wird Straßen NRW im Verlauf des kommenden Jahres die Beschilderung im Stadtgebiet auf die neue Trassenführung umstellen. Da die Betreiber von Navigationssystemen auf die staatlichen Daten zurückgreifen und die Klassifizierung der Straßen (Autobahn, Bundesstraße, Landstraße, Kreisstraße) bei der Routenplanung ein zentrales Kriterium ist, werden sich auch hier perspektivisch Änderungen ergeben.

Diese Änderungen plant die Stadt noch

Die wichtigste Änderung betrifft aber den rechtlichen Status. Da der südliche Teil der Steinfurter Straße, der Schlossplatz, der Stadtgraben und der südliche Teil der Weseler Straße im überregionalen Straßennetz ab 2020 keine Bedeutung haben, kann die Stadt Münster sie mit einer größeren planerischen Freiheit umgestalten. Ziel ist es seit Jahren zum Beispiel, hier den Verkehrsraum neu aufzuteilen. So könnte man jetzt beispielsweise eine Busspur schaffen.

Darüber hinaus verfolgen die von der Stadt geplanten Umgestaltungen der Kreuzungen Steinfurter Straße/ Orléans-Ring und Weseler Straße /Kolde-Ring auch klar das Ziel, den Verkehr stärker auf den Ring zu lenken.

Im Süden Münsters wird die B 54 für ein kurzes Teilstück – von der „Spinne“ bis zur Abfahrt Hammer Straße – über die Umgehungsstraße geführt, gemeinsam mit der B 51.  

Kommentar: Einen Versuch ist es wert

Wer über eine der großen Ausfallstraßen in die Stadt fährt und diese durchqueren möchte, hat – ganz automatisch – bestimmte Routen im Kopf. Nehmen wir die Weseler Straße: Einfach geradeaus fahren bis zum Schlossplatz und dann weiter zur Steinfurter oder Grevener Straße. Oder nehmen wir die Steinfurter Straße: Einfach geradeaus fahren bis zum Schlossplatz und dann weiter zur Weseler Straße und/oder zur Hammer Straße. Genau diese Logik möchten jenes neue Verkehrskonzept durchbrechen, dem die jetzt genehmigte Verlegung der B 54 zugrunde liegt. Künftig, so wollen es die Planer, soll sich im Kopf der Autofahrer folgender Automatismus abspielen: Über die Weseler Straße bis zum LVM vorfahren und dann wie selbstverständlich nach links auf den Kolde-Ring abbiegen. Auf die Steinfurter Straße übertragen, funktioniert es so: Bis zum alten TÜV-Gelände vorfahren und dann nach rechts auf den Orléans-Ring abbiegen. Klaus Baumeister

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