Dr. Norbert Ohlms wird 75 Jahre alt
Energiebranche lässt ihn nicht los

Münster -

Wer mit Dr. Norbert Ohlms über Energiepolitik, die Stadtwerke im Allgemeinen und Münster im Besonderen spricht, der merkt bereits nach wenigen Minuten: Der Mann ist voll im Stoff.

Montag, 25.11.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2019, 12:00 Uhr
Auf dem Stadtwerke-Gelände am Hafen hat Dr. Norbert Ohlms eine „eigene“ Straße.
Auf dem Stadtwerke-Gelände am Hafen hat Dr. Norbert Ohlms eine „eigene“ Straße.

Das ist schon sehr ungewöhnlich, denn es ist immerhin bereits zehn Jahre her, dass sich Ohlms nach 26 Jahren als münsterischer Stadtwerke-Geschäftsführer in den Ruhestand verabschiedete. Doch der rührige Roxeler ist noch immer in der Branche tätig, und zwar als Geschäftsführer des Unternehmens Green Gecco, das in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schottland fünf Windparks betreibt. „Es macht mir unverändert Spaß, in der Energiewirtschaft tätig zu sein“, so Norbert Ohlms. Am heutigen Montag feiert er seinen 75. Geburtstag.

In seine Amtszeit als Stadtwerke-Geschäftsführer fallen gewaltige Investitionen: Den Bau des Gaskraftwerkes am Stadthafen 1 hatte er ebenso zu verantworten wie das neue Verwaltungsgebäude oder das Stadthaus 3, das die Stadtwerke für ihre „Mutter“, die Stadt Münster, baute.

Apropos Stadt: Ohlms erlebte nicht nur vier verschiedene Oberbürgermeister, sondern auch allerlei politische Konstellationen: eine CDU-Alleinregierung, CDU und FDP, darüber hinaus natürlich auch Rot-Grün in den 1990er-Jahren. Die größte politische Herausforderung für Ohlms war sicherlich die per Bürgerentscheid gestoppte Stadtwerke-Teilprivatisierung 2002. Ohlms war seinerzeit ein überzeugter Befürworter eines Verkaufs von 49 Prozent der Anteile an einen strategischen Partner. „Der Stadt hätte dieser Schritt eine Menge Geld gebracht.“

Als die Privatisierungspläne vom Tisch waren, musste der Jubilar nach eigenem Bekunden schnell umdisponieren, um auf den steigenden Wettbewerbsdruck zu reagieren. Wichtige Unternehmensbereiche wurden in die Tochterunternehmen Items, Smart-Optimo und die Energiehandelsgesellschaft West ausgegliedert.

Die Energieversorgung der Zukunft sieht Ohlms in einem Mix aus regenerativen Energien, besonders Windkraft, und hoch effizienten Gaskraftwerken. Mit Wind und Sonne allein sei die Energiewende nicht zu schaffen, da sie nicht uneingeschränkt zur Verfügung stünden. Die Schwankungen durch verschiedene Formen der Speicherung auszugleichen, etwa durch Pumpspeicherwerke, hält Ohlms für machbar, „aber zu teuer“.

Bei dieser Gelegenheit lässt Ohlms denn auch kein gutes Haar an der neuen Offensive der Bundesregierung, jedes Windrad 1000 Meter von den nächsten Häusern entfernt halten zu wollen. „So verlieren wir auf einen Schlag 50 Prozent der potenziell geeigneten Flächen.“ Für Windparks blieben nur noch „kleine Insellösungen“. Der 75-Jährige ist ganz offensichtlich noch voll im Stoff.

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