100 Jahre Arbeiterwohlfahrt
Zum Fest ein Weg für die Gründerin

Münster -

Die Arbeiterwohlfahrt feierte im Rathaus das 100-jährige Bestehen der Wohlfahrtsorganisation. Als „Festessen“ gab es – wie in den Notzeiten vor 100 Jahren Steckrübensuppe.

Sonntag, 24.11.2019, 21:30 Uhr
Die AWO-Kreisvorsitzende Anna Mazulewitsch-Boos und Oberbürgermeister Markus Lewe freuen sich beim Festakt im Rathaus über den neuen Marie-Juchacz-Weg in Münster.
Die AWO-Kreisvorsitzende Anna Mazulewitsch-Boos und Oberbürgermeister Markus Lewe freuen sich beim Festakt im Rathaus über den neuen Marie-Juchacz-Weg in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Marie Juchacz, die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), hat in Münster seit kurzem einen Weg, ebenso wie schon Gelsenkirchen, Lübeck und das baden-württembergische Backnang. Wohlgemerkt keine Straße wie in Alsdorf, Potsdam und Mainz – und der Marie-Juchacz-Weg in Amelsbüren ist eine Sackgasse.

Für die AWO Münster, die am Samstag im Rathaus das 100-jährige Bestehen der Wohlfahrtsorganisation feierte, ist die Würdigung der Gründerin gleichwohl ein schönes Geschenk, das Oberbürgermeister Markus Lewe mit dem Straßenschild überreichte. Lewe gratulierte sich beim Festakt im Rathaus auch selbst – denn der OB mit CDU-Parteibuch ist selbst AWO-Mitglied, wie er den Gästen, viele von ihnen gestandene Sozialdemokraten, verkündete. Für das Wirken der Arbeiterwohlfahrt, nach den Schrecken der Ersten Weltkrieges gegründet, empfindet Lewe große Sympathie: „Sie bringen den Menschen ein Meer an Liebe entgegen“, würdigte Lewe das soziale Wirken der AWO, und weiter: „Die Zukunft unserer Demokratie entscheidet sich auch daran, wie wir mit unseren Schwächsten umgeben.“

In Münster betreibt die AWO diverse Beratungsstellen, Altenheime und engagiert sich in der Kinder- und Jugendarbeit. In Münster wurde die AWO so richtig erst nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv, wie die Kreisvorsitzende Anna Mazulewitsch-Boos erinnerte. Und auch hier war die AWO in den Anfängen, wie schon bei ihrer ursprünglichen Gründung 1919, eine Bewegung, die von Frauen ausging. Frauen leisteten Wiederaufbauarbeit, organisierten Hilfe für viele Notleidende.

350 Mitglieder hat der münsterische Kreisverband heute, 231 hauptamtlich Beschäftigte arbeiten in 32 sozialen Einrichtungen.

Der SPD-Bundestagabgeordnete Michael Groß aus Marl, , der auch Vorsitzender der AWO-Parlamentarier-gruppe ist, betonte in seiner Festrede die Bedeutung eines starken Sozialstaates mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft.

Regine Andratschke, Schauspielerin des Theaters Münster, hatte zuvor die Gäste in die Zeit vor 100 Jahren und in die Biografie von Marie Juchacz entführt. Die Sozialreformerin und Frauenrechtlerin in den Weimarer Jahren floh vor den Nationalsozialisten zuerst nach Frankreich und später in die USA, gründete auch in New York die AWO. 1949 nach Deutschland zurückgekehrt, erlebte sie, wie die AWO wieder vielfältige Aktivitäten entfaltete.

In der Not der Zeit nach dem ersten Weltkrieg dürfte Marie Juchacz auch mangels Alternativen häufig das Gericht gegessen haben, das nach der Festveranstaltung im Rathaus gereicht wurde: Steckrübensuppe. Den AWO-Freunden des Jahres 2019 schmeckte es gar nicht schlecht.

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