Urteile im Missbrauchsprozess
Tatschilderung macht sprachlos

Münster -

Fast unerträglich waren die Schilderungen der Taten, die die Richterin in ihrer Urteilsbegründung anführte. Drei Männer waren wegen Kindermissbrauchs angeklagt. Ein 39-jähriger Mann aus Münster muss in Gefängnis, ein Mitangeklagter 52-jähriger aus Everswinkel erhielt eine Bewährungsstrafe. Der dritte ist freigesprochen worden.

Montag, 25.11.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2019, 19:03 Uhr
Im Missbrauchsprozess gegen zwei Männer aus Münster und einen aus Everswinkel sind die Urteile gesprochen worden.
Im Missbrauchsprozess gegen zwei Männer aus Münster und einen aus Everswinkel sind die Urteile gesprochen worden. Foto: Oliver Werner

Sie haben ihn gekannt und gemocht – jetzt saß ihr ehemaliges Vorbild auf der Anklagebank wegen Kindesmissbrauchs. Bei der Urteilsverkündung im Prozess gegen einen 39-jährigen Mann und zwei Mitangeklagte aus Münster und Everswinkel saßen viele junge Menschen im Publikum. Sie waren sprachlos angesichts der von der Vorsitzenden Richterin detailliert geschilderten Taten. Der 39-jährige, ehemalige Sozialarbeiter hatte sich als Musiker einen Namen gemacht und war als Fußballtrainer sehr beliebt. Zu einigen Kindern im Alter von elf bis 13 Jahren hatte er „Freundschaften“ aufgebaut – und sie dann zu sich ins Bett gelockt.

„Kein Kommentar, dazu will ich wirklich nichts sagen“, wimmelte einer der vielen jungen Zuhörer nach dem Prozess-Ende Journalisten-Fragen sichtlich schockiert ab. Sie hatten viel über das äußerst bizarre Leben des Mannes erfahren, das von einer nicht sehr schönen Kindheit, viel Alkohol und zahlreichen Beziehungen sowohl zu Männern als auch Frauen geprägt war.

Für fünf Jahre und drei Monate geht der Haupttäter jetzt in Haft. Julia Artmann-Eichler erklärte, dass die Höhe der Strafe für sie nicht entscheidend sei, sondern nur, dass der belastende Prozess für ihre Mandanten vorbei sei. Die Anwältin vertrat in der Nebenklage die Opfer.

Ein mitangeklagter 52-jähriger Mann aus Everswinkel, der über den 39-Jährigen Kontakt zu einem Kind erhalten und es auch missbraucht hat, ist jetzt wieder auf freiem Fuß. Er erhielt eine Strafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Mann hatte die Taten zunächst abgestritten, sodass eines der Kinder in den Zeugenstand musste. „Die Kammer hat Ihnen viele goldene Brücken gebaut“, sagte die Vorsitzende Richterin, „aber sie haben keine angenommen“. Erst nach der belastenden Aussage des Kindes legte der Mann ein Geständnis ab.

Einem dritten Angeklagten aus Münster konnte die Kammer die Taten nicht nachweisen, er ist freigesprochen worden. Der Haupttäter hatte schon während des Ermittlungsverfahrens alle Taten gestanden.

Beide Täter hatten sich noch während des Verfahrens verpflichtet, den Opfern Schadensersatz zu zahlen. Der Everswinkeler hat seine Arbeit als Feuerwehrmann und seine Pensionsansprüche verloren, auch das hat die Kammer bei der Strafzumessung mit einbezogen.

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