Kultweihnachtsshow mit Impro 005
Der Wahnsinn zum Konsumfest

Münster -

Mit ihrer alljährlichen „Weihnachtsshow“ bietet „Impro 005“ ein vorweihnachtliches Erlebnis der besonderen Art. Denn zum Fest türmen sich bekanntlich die familiären Katstrophen.

Sonntag, 01.12.2019, 16:38 Uhr aktualisiert: 01.12.2019, 18:01 Uhr
Jan Sturmius Becker und Jürgen Werner bei einer der vielen auf Zuruf und spontan servierten Pantomime
Jan Sturmius Becker und Jürgen Werner bei einer der vielen auf Zuruf und spontan servierten Pantomime

Weihnachten ist das Fest der hehren Vorsätze: Deren oberster lautet: Nie wieder das Chaos vom Vorjahr! Natürlich kommt es immer anders: Groß und klein scheitern krachend und schlittern in chaotische Konsumorgien. Das Mirakel dauerhaften Familienfriedens unterm Weihnachtsbaum – nicht selten ist dies der einzige fromme Wunsch des zu Weihnachten. Mit ihrer alljährlichen „Weihnachtsshow“ bietet „Impro 005“ die Gegenvision: Jedenfalls hätte die Saal-Laune für die Premiere im Kreativhaus nicht harmonischer sein können.

Marcell Kaiser als weißbärtiger Nikolaus soufflierte im Flüsterton den Countdown für die Kompanie, bevor man den weihnachtlich Angehauchten einen Weihnachtspunsch kredenzte. Zunächst ein paar Impro-Regeln („Ihr beschenkt uns mit eurer Fantasie!“), dann präsentierte Tina ein „Wichtelgeschenk“ („Die Spende geht ans Hospiz Lebenshaus Handorf“) – ab ging die Weihnachtspost.

Marcus Fischer gab vom Keyboard her den Auftakt zum Kerzenschein-Soundtrack, dann stürzten die Matadore in die Weihnachts-Arena, horchten auf Publikumszurufe, die ihre Aktionen lenkten, um dem Auditorium sofort einen Trip ins Surreale zu bescheren: Von einer Ballettszene rutschte man in parodistische Sado-Maso-Gefilde. Irmhild Willenbrink angelte Riesenkarpfen und das Keyboard mischte ätherische Harfentöne in die Chaos-Szenerien. Mal wurde nach Begriffen („Blumenflüsterer“) improvisiert, dann wurden per Hupe heimische Weihnachtszeremonien kommentiert oder auch dementiert. Schließlich landete man noch in einer zuckersüßen Weihnachts-Seifenoper. Zurufe des Pu­blikums waren zielsicher, wie etwa bei einem Kind, das die Stichworte kennt, um der Oma die richtigen Geschenke entlocken. Die im Glühwein-Rot der Scheinwerfer agierenden Impro-Virtuosen zelebrierten ihre Rituale des rasenden Kurswechsels, ständig auf der Jagd nach dem – bisher – Unerhörten. Für zartbesaitete Gemüter natürlich reinster Weihnachtsstress. Für Eingeweihte blieb die ewige Frage: Das Unerwartete geschieht – geschieht das Unerwartete?

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7102586?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker