Aushängeschild seiner Zunft
Zehnter Todestag von Karikaturist Rudolf Schöpper

Münster -

Wer schreibt, der bleibt, sagt der Volksmund. Wer zeichnet, nicht minder. Vor genau zehn Jahren verstarb der große Karikaturist Rudolf Schöpper mit 87 – doch sein berühmter Hahn mit der Kiepe kräht den Lesern des münsterischen Lokalteils dieser Zeitung noch immer fröhlich sein „Guten Morgen!“ zur täglichen Glosse entgegen; seit Jahrzehnten.

Donnerstag, 05.12.2019, 10:00 Uhr
Rudolf Schöpper
Rudolf Schöpper Foto: Wilfried Gerharz

Von 1962 bis 1991 war Schöpper politischer Hauszeichner der Westfälischen Nachrichten. In jenen Zeiten galten die besten ihrer Zunft als Aushängeschild ihrer Zeitung – und das war durchaus wörtlich zu verstehen, fand sich politische Zeichnung Schöppers doch meist auf der Titelseite. Ein Platz, der für den aus Brilon stammenden Künstler keine Selbstverständlichkeit war. Er nahm seine Aufgabe so ernst, dass ihm jede tagespolitische Karikatur wie eine kleine Geburt erschien.

„Ich muss wieder ein Kind kriegen“, sagte er manchmal scherzhaft zu seiner Frau Elisabeth, mit der er vier Kinder hatte. Frau Schöpper erinnert sich heute noch lächelnd, wie er sich kurz nach dem Frühstück in Klausur begab, um die Idee des Tages „hervorzukreißen“. Zum Beispiel auf der Terrasse des Familien-Heims in Roxel, das die Familie seit 1977 bewohnte. Dort ging Schöpper dann Pfeife schmauchend auf und ab – bis es funkte.

Polit-Personal aufs Korn genommen

1977 war die Familie von Dortmund nach Münster gezogen, und der zuvor freiberufliche Schöpper hatte bei den WN einen festen Vertrag erhalten. Die rüstige Seniorin Elisabeth Schöpper blickt mittlerweile froh ihrem 90. Geburtstag im kommenden Mai entgegen. Gerne blickt sie aber auch zurück – denn sie hatte an der Karriere ihres Mannes großen Anteil. Sie ermunterte den anfangs unpolitischen Künstler zu jenem Brotberuf, der für ihn später tägliche Passion werden sollte.

Wenn er in seinem „Entbindungszimmer“ (Schöpper über sein Redaktionsstübchen) werkelte, durfte niemand stören außer dem Chefredakteur. Und dann wurde das Polit-Personal aufs Korn genommen: Brandt, Wehner, Strauß oder Kohl – Schöpper hat sie alle auf seinen typischen Strich gebracht, der liebevoll an Wilhelm Busch gemahnte; nicht umsonst hängt eine seiner ganzseitigen Reim-Geschichten heute im Wilhelm-Busch-Museum. Die Feder tauchte er dabei nie in Gift, ging es dem lebenslang religiösen Künstler doch stets um humorige Geschichten und nicht um anmaßende Welterklärung. Mit einer Zeichnung über Charles de Gaulle gewann er 1969 sogar den renommierten Theodor-Wolff-Preis.

Kleiner Rabe als Markenzeichen

Etwa 9000 Karikaturen waren zusammengekommen, als Schöpper 1991 die Spott-Feder beiseite legte und in den Ruhestand ging. Aber wohin mit seinem Schatz gezeichneter Zeitgeschichte? Eine Frage, die den lange von Krankheit geplagten Künstler beschäftigte. Mithilfe des langjährigen WN-Redakteurs Erhard Obermeyer wurde der Bestand schließlich 2009 den Nachlass­-Sammlungen der Universitäts- und Landesbibliothek übertragen, wo die Zeichnungen nun verschlagwortet und teils online zugänglich sind.

Rudolf Schöppers Markenzeichen war übrigens ein kleiner Rabe, der in jeder Karikatur das Geschehen beäugte. Tausende Raben sind am Ende mit dem Meister davongeflattert. Der „Kiepen-Hahn“ aber wird weiter für die WN-Leser sein „Guten Morgen!“ krähen.

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