Sagel in ungewohnter Rolle als Einzelkämpfer
Die „richtige“ Partei für ihn gibt‘s einfach nicht

Münster -

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwochabend: Nach seinem Parteiaustritt bei den Linken hat es Rüdiger Sagel sichtlich schwer, sich an seine neue Rolle als Parteiloser zu gewöhnen.

Donnerstag, 05.12.2019, 18:00 Uhr
Rüdiger Sagel muss sich an seine neue Rolle als Parteiloser noch gewöhnen.
Rüdiger Sagel muss sich an seine neue Rolle als Parteiloser noch gewöhnen. Foto: Dirk Anger

Rüdiger Sagel ist einer der bekanntesten Kommunalpolitiker in Münster. Aber rein protokollarisch hat der streitbare und Ex-Grüne und Ex-Linke jetzt einen Status erreicht, den man mit der Vokabel „Hinterbänkler“ beschreiben könnte. Als Parteiloser ist er einflusslos – Einzelkämpfer statt Fraktionsvorsitzender.

Wie schwer ihm diese neue Rolle fällt, konnte man in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses hautnah erleben. Diese Sitzung diente unter anderem dem Zweck, die Anträge der Parteien zum Haushalt 2020 zu diskutieren. Für die Linke übernahm die neue Fraktionschefin Ortrud Philipp die Aufgabe. Erwartungsgemäß forderte sie eine höhere Gewerbesteuer, überdies mehr Geld für Klimaschutz und Armutsbekämpfung.

Mit Partei überworfen

Kaum hatte Philipp ausgesprochen, da meldete sich Sagel zu Wort und wies verschnupft darauf hin, dass die von seiner Ex-Parteikollegin vorgestellten Anträge aus seiner Feder stammen würden. So lange sei es ja noch nicht her, dass er „aus der Partei ausgetreten“ sei.

„Aus welcher Partei?“, wollte ein sichtlich amüsierter Bürgermeister Gerhard Joksch wissen. Zum Hintergrund: Sagel hat seine politische Karriere bei den Grünen begonnen, sich aber auch mit dieser Partei überworfen. Als Sagels Granteln in Richtung der Linken nicht enden wollte, kam die Ermahnung des Oberbürgermeisters Markus Lewe: „Bitte keinen Rosenkrieg!“

Reichlich Situationskomik

Auch an anderer Stelle bot die Sitzung reichlich Situationskomik. Als unter dem Tagesordnungspunkt 9 über die „Realisierbarkeit und Kostenschätzung der Forderungen der Fridays for Future“ beraten wurde, listete der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung einen Katalog an Maßnahmen auf, den er von der münsterischen Stadtverwaltung einforderte.

Die FDP-Fraktionschefin Carola Möllemann-Appelhoff frage daraufhin süffisant, ob Jung seinen Redebeitrag nicht beim Tagesordnungspunkt 22 wiederholen wolle, denn dort gehöre er hin. Der Titel: „Handlungsprogramm Klimaschutz 2020“. Prompt machte ein „Bitte nicht!“ die Runde.

Damit nicht genug. Als der Tagesordnungspunkt 22 anstand, wurde er – ohne Aussprache – zur Beratung in die Ratssitzung am 11. Dezember geschoben. Kaum war dies geschehen, ging ein Raunen durch den Sitzungssaal. Anmerkung von Lewe: „Arme Frau Möllemann-Appelhoff . . .“

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