Hafenmarkt-Debatte
Und die Grünen sagen kein Wort

Münster -

Die Stadt will einen neuen Bebauungsplan für den Hafenmarkt am Hansaring aufstellen. Alle Parteien beteiligten sich im Ausschuss an der Debatte über dieses Thema, nur die Grünen blieben stumm.

Donnerstag, 05.12.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 19:15 Uhr
Am Hafencenter ruhen aktuell die Arbeiten. 
Am Hafencenter ruhen aktuell die Arbeiten.  Foto: Oliver Werner

Ist eine Diskussion im Rathaus über das umstrittene Hafencenter ohne Dauerkritik der Grünen denkbar? Ja, ist es. Auf jeden Fall erlebten alle beteiligten Ratsmitglieder sowie die staunende Öffentlichkeit ein derartiges Schauspiel am Mittwochabend in der Sitzung des Haupt-und Finanzausschusses.

Obwohl einige münsterische Grüne seit Jahren die Eindruck erwecken, als sei der Widerstand gegen das Hafencenter zu ihrem Lebensinhalt geworden, so sagte die GAL-Fraktion zu der neuen, von der SPD angestoßenen Entwicklung kein einziges Wort – als ginge es sie nichts an.

Das Schweigen der Grünen

Das Ergebnis: Mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und AfD wurde beschlossen, dass für das Millionenprojekt am Hansaring, das vom Investor Stroetmann inzwischen von Hafencenter in Hafenmarkt umgetauft wurde, ein neuer Bebauungsplan aufgestellt wird. Der alte Bebauungsplan wurde vom Oberverwaltungsgericht Münster kassiert. Derzeit ruhen die Bauarbeiten. Das neue Konzept sieht unter anderem den Verzicht auf das geplante E-Center und alternativ den Bau einer Markthalle vor.

Die Grünen stimmten ebenso wie die Linken und der Fraktionslose Rüdiger Sagel gegen das neue Konzept. Angesichts des Schweigens der Grünen blieb es an Sagel, den Kritikern eine Stimme zu geben. Es habe sich im Grundsatz nicht geändert, so Sagel. Deshalb bleibe es für ihn beim „Nein“.

Jungs großer Auftritt

Derweil hatte der SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung bei der Hafenmarkt-Debatte seinen großen Auftritt. Er habe die Initiative ergriffen, so Jung, weil „eine Bauruine für die SPD keine Option ist.“ Jung zeigte sich zuversichtlich. dass es jetzt Fortschritte gebe, da die neue Dynamik unübersehbar sei. „In einem neuen Bebauungsplan sollte auch etwas Neues stehen.“

Der CDU-Fraktionschef Stefan Weber dankte der SPD für das Engagement. An die Adresse des Bündnispartners sagte er: „Wir bedauern es, dass die Grünen nicht die Kraft gefunden haben, einer Lösung zuzustimmen.“

Hafencenter - Chronologie eines umstrittenen Projekts

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  • So sah es am Hansaring 2016 noch aus: Das alte Postgebäude stand noch. An seiner Stelle sollte ein Einkaufszentrum entstehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach dem Abriss ist Blick vom Hansaring auf die Osmohallen freigegeben.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Für einen Paukenschlag sorgte das Oberverwaltungsgericht Münster im April 2018: Es kippte den Bebauungsplan für das Hafencenter-Gelände.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bagger rollten trotzdem an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Da die Stadt die Baugenehmigung für das Hafencenter nicht zurückzog, konnten die Bauarbeiten weitergehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Sommer 2018 wurde die Bodenplatte für das Einkaufszentrum fertig.

    Foto: Oliver Werner
  • Am 1. Februar stoppte das OVG Münster dann die Bauarbeiten, indem es die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die Baugenehmigung bestätigte.

    Foto: Matthias Ahlke

In den vergangenen Wochen war bekannt geworden, dass Mitgliedern der GAL-Fraktion, die an einem Kompromiss zum Hafencenter/Hafenmarkt mitwirken wollten, parteiintern damit gedroht wurde, sie bei der Kommunalwahl 2020 nicht auf die Kandidatenlisten zu setzen. Auch das könnte, so wurde in der Sitzung spekuliert, ein Grund für das Schweigen sein.

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