Rotkreuz-Gespräch zur Seenotrettung
Tödlicher Fluchtweg

Münster -

Seenotrettung hat sich das münsterische Rote Kreuz als Thema für eine öffentliche Veranstaltung gewählt. Am Donnerstag (12. Dezember) findet die Veranstaltung am Domplatz im Freiherr-von-Vincke-Haus statt (ab 18 Uhr).

Donnerstag, 12.12.2019, 17:00 Uhr
 
 Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt Seenotretter die ein Kind an Bord des Rettungsschiffes «Alan Kurdi» hieven. Foto: Pavel D. Vitko/Sea-Eye/dpa

Etwa 20.000 Menschen sind dem Roten Kreuz zufolge in den vergangenen Jahren auf der Flucht auf dem Mittelmeer gestorben. Sie fliehen vor Gewalt, Diskriminierung und Verfolgung oder aber nur für die Chance, sich irgendwo ein besseres Leben aufbauen zu können. Flüchtlingskrise wird das Thema in Europa genannt. „Wir verstehen natürlich das Dilemma der Staaten, die ihre Grenzen schützen möchten“, sagt Paola Maieli vom Generalsekretariat des Italienischen Roten Kreuzes in Rom am Donnerstagmorgen. Doch die Wahrung der Würde des Menschen sei aus ihrer Sicht wichtiger.

Maieli ist zum 15. Münsteraner Rotkreuz-Gespräch, das am Donnerstag (12. Dezember) um 18 Uhr am Domplatz im Freiherr-von-Vincke-Haus stattfindet, in die Stadt gekommen. Die Themenwahl versteht man beim Roten Kreuz nicht als politische Einmischung, vielmehr „ist es unsere Aufgabe, das humanitäre Völkerrecht bekanntzumachen“, erklärt Michael Sieland, stellvertretender Landeskonventionsbeauftragter des DRK in NRW. Wichtigstes Kriterium in diesem Bereich sei „die Menschlichkeit“, so der Jurist.

Extreme Gewalt

Doch nicht nur das Mittelmeer, schon der Weg zur Küste sei Teil einer der tödlichsten Flüchtlingsrouten weltweit. Viele Menschen würden in Wüsten, etwa der Sahara, ihr Leben lassen, andere fielen in die Hände von Milizen und Clans und wären als Folge extremer Gewalt ausgesetzt, so Maieli, die sagt: „Man kann die offizielle Zahl der Toten insgesamt sicher verdreifachen“.

Zudem träfen auf dem Weg nicht nur Frauen, sondern auch Männer auf Gewalt – auch sexuelle. Gerade um diese Männer mache man sich Sorgen, so Maieli, denn häufig würden sie ihr Schicksal für sich behalten.

Keine Strafe für Grenzübertritt

Sind die Menschen auf See, drohen abermals tödliche Gefahren – und den Rettern Bestrafung. Dabei besage das Recht der Seenotrettung, dass Retten für Jedermann Pflicht sei, sagt Sieland. Es sei allerdings nicht geregelt, was danach mit den Menschen passieren müsse. „Normalerweise wird einfach der nächste Hafen angesteuert, aber wenn Staaten die Aufnahme verweigern, gibt es dafür juristisch derzeit keine Regelung.“

In der Genfer Flüchtlingskonvention sei aber geregelt, dass man für einen illegalen Grenzübertritt auf der Flucht nicht bestraft werden dürfe. Dass Flüchtlinge zurückgeschickt würden, dafür müsse man sich kein Gesetz ausdenken: „Das verbietet bereits bestehendes Recht, denn der sichere Hafen ist ja nicht der, aus dem man geflohen ist“, so Sieland.

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