Weihnachtskonzert des neuen Kreiskantors Konrad Paul
Wunderbare Innigkeit erzeugt Freude

Münster -

Ein Weihnachtskonzert mit Bach-Kantaten, aber ohne „Jauchzet, frohlocket“? Was Kantor Konrad Paul für seine Kantorei an der Apostelkirche ausgewählt hatte, war als Programm ungewöhnlich.

Montag, 16.12.2019, 21:30 Uhr
Weihnachtskonzert mit (vorne v. l.) Harald Martini (Bass), Falk Hoffmann (Tenor), Kreiskantor Konrad Paul, Johanna Rademacher (Alt) und Fanie Antonelou (Sopran)
Weihnachtskonzert mit (vorne v. l.) Harald Martini (Bass), Falk Hoffmann (Tenor), Kreiskantor Konrad Paul, Johanna Rademacher (Alt) und Fanie Antonelou (Sopran) Foto: Zinkant

Ein Weihnachtskonzert mit Bach-Kantaten, aber ohne „Jauchzet, frohlocket“? Was Kantor Konrad Paul für seine Kantorei an der Apostelkirche ausgewählt hatte, war als Programm ungewöhnlich. Die sechste und letzte Kantate aus dem Weihnachtsoratorium wurde für sich allein gestellt; eine gute Idee, beschränkt man sich doch sonst meistens auf die Kantaten eins bis drei. Und mit dem selten gehörten Stück „Christen, ätzet diesen Tag“ wurde Bachs erste Weihnachtskantate überhaupt gesungen. Viel rauschender Applaus der Lohn für ein hochkarätiges, emotional tief empfundenes Weihnachtskonzert.

Großen Anteil daran hatte das Europäische Barockorchester „Le Chardon“. Es fügte sich perfekt in den Chorgesang ein, die Original-Ins­trumente virtuos meisternd. Gar nicht so einfach, insbesondere bei den Naturtrompeten, die indes auch ohne Ventile voller Kraft und klarer Intonation durch die Apostelkirche schollen. Der Beginn der Kantate „Christen, ätzet diesen Tag“ (ätzen meint: in Marmor gravieren) trumpft mit goldenem Glanz und üppiger Orchestrierung ähnlich festlich auf wie das berühmte „Jauchzet, frohlocket“. Bach präsentiert sich in unbekümmerter Weihnachtsstimmung.

Und diese übertrug sich auch auf den Chor, der bestens präpariert war und vor allem bei Chorälen zu wunderbarer Innigkeit fand. Auch die Solisten waren eine Freude für Herz und Ohr. Harald Martini war ein wahrhaft biblischer Donnerbass, der seine Rezitative wie in Marmor meißelte. Der aber zudem genug Empfindsamkeit in die Stimme legen konnte, etwa wenn es galt, sich mit dem Sopran (Fanie Antonelou) einen scheuen Zwiegesang zu liefern, von der Oboe schüchtern umfleht. Auch Falk Hoffmann (Tenor) und Johanna Rademacher (Alt) sangen exzellent. Alles in allem wirkte diese Weihnachtskantate neu und vertraut zugleich.

Als instrumentales Zwischenspiel zeigte „Le Chardon“ seine Klasse als Barockensemble mit Telemanns Concerto Grosso 54. Wiederum war man fasziniert von der Virtuosität, mit der die alten Instrumente ihren archaischen Zauber verströmten. Zwei Traversflöten, Solovioline und Solocello sponnen ein solistisches Geflecht, das den vermeintlichen „Vielschreiber“ Georg Philipp Telemann in all seinem Einfallsreichtum zeigte. Und als der Finalapplaus vorüber war, setzten die Interpreten zu einer Zugabe an, die wohl niemanden verwunderte: „Jauchzet, frohlocket“!

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