Erstes Treffen nach 40 Jahren
Wiederbegegnung mit den Lebensrettern von 1979

Münster -

Eine junge Französin strandet 1979 verzweifelt in Münster – und wird von einem Studentenpaar aufgefangen und zurück auf die Spur gebracht. 40 Jahre später sind sie sich die drei zum ersten Mal wiederbegegnet.

Mittwoch, 01.01.2020, 13:00 Uhr
Erstes Treffen nach 40 Jahren: Wiederbegegnung mit den Lebensrettern von 1979
Im Jahr 1979 flieht die Französin Florence aus Münsters Partnerstadt Orléans in die Westfalenmetropole, erleidet hier allerdings „Schiffbruch“ und wird von einem Studentenpaar gerettet. Jetzt haben sich die drei mit Unterstützung unserer Zeitung erstmals wiedergesehen. Foto: privat/Grafik: Christ

Manche Dinge brauchen lange, um richtig gut zu werden – in diesem Fall sogar 40 Jahre. Die Französin Florence aus Münsters Partnerstadt Orléans erleidet im Jahr 1979 als 18-Jährige in der Westfalenmetropole Schiffbruch, gerät auf die schiefe Bahn und steht kurz davor, eine riesige Dummheit zu begehen. Ein Studentenpaar rettet ihr das Leben, als sie in einer Pizzeria im Kreuzviertel zig Tabletten schluckt, es besucht sie daraufhin im Krankenhaus, überlässt ihr wochenlang ein Zimmer in der WG, bis sie sich wieder fängt. Die drei verlieren sich kurz darauf allerdings komplett aus den Augen.

Dank eines Aufrufs unserer Redaktion hat Florence, die inzwischen an der französischen Atlantikküste wohnt, ihre Lebensretter, die heute in Köln leben, aufgespürt. Jetzt haben sie sich nach 40 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen. „Es war überwältigend“, erzählt Florence. „Es war eine große Vertrautheit da, als ob unsere damalige Begegnung solange gären musste, um sich jetzt endlich entfalten zu können.“

Beginn einer Freundschaft

Sie sei schon Wochen vor dem geplanten Treffen aufgeregt gewesen, gesteht sie. „Und dann, als ich aus dem Bahnhof in Köln herauskam, haben wir uns sofort gesehen und erkannt.“ Wie ihre Retter von damals heute aussehen, wusste sie von Fotos, die unsere Zeitung nach der Volltreffer-Suche veröffentlicht hatte. ­Florence: „Bis spät in die Nacht haben wir erzählt, erzählt, erzählt . . .“

Walter Brandes spricht von einer „unwirklich schönen Situation“. Und: „Sie ist heute ganz anders, als ich sie damals erlebt habe – absolut vertraut, kommunikativ und lebendig.“ Ganz anders als 1979, als Florence tagelang weinend auf ihrem Bett lag, nur Musik hörte und sich abschottete. „Wir sind nicht mehr Helfer für ein Mädchen in Not, sondern alle drei auf der gleichen Ebene und beginnen eine unendlich schöne Freundschaft“, bringt es Walter Brandes auf den Punkt. Und Edeltraud Conzelmann ist ihrem gemeinsamen Freund aus Münster so dankbar, dass er an dem Morgen, als der erste Artikel unserer Zeitung auf der Suche nach den Lebensrettern von Florence erschien, Zeit für eine ausgiebige Zeitungslektüre hatte, sich an den Fall der Französin von 1979 erinnerte und bei seinen ehemaligen Studienfreunden in Köln anrief.

Geschichte mit Happy-End

Und dort jetzt das erste Wiedersehen voller Emotionen: „Im Laufe des Abends kamen so viele Erinnerungen und Details hoch, die wir uns erzählt haben. Sie verstehen jetzt, warum ich damals so verschlossen war“, sagt Florence. „Im tiefen Winter habe ich erfahren, dass ich einen unbesiegbaren Sommer in mir habe“ – dieses Zitat von Albert Camus „ist der Faden, der sich durch unsere Gespräche zog“.

Alle drei sehen den ersten gemeinsamen Abend als Beginn einer Freundschaft. „Walter und Traudel besuchen mich nächstes Jahr in Frankreich, und ich freue mich schon riesig darauf“, jubiliert Florence. „Filme, Romane, Zeitschriften sind voller Geschichten mit Happy End, die die Menschen berühren, weil wir ein tiefes Bedürfnis haben, dass der Kreis sich schließt, weil wir uns nach Glückseligkeit sehnen. Wir glauben daran, obwohl man glaubt, dass es im wahren Leben eigentlich nicht so ist“, resümiert Florence. „Aber das stimmt nicht. Manchmal hat man das Glück, eine solche Geschichte selber zu erleben.“

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