Aktion „Ausgegrenzt“
Königsfiguren aus Krippen entfernt

Münster -

Es geht offenbar darum, auf die verheerende Situation in Flüchtlingslagern aufmerksam zu machen. Bundesweit haben deshalb die Beteiligten einer Aktion namens „Ausgegrenzt“ heimlich Figuren aus Weihnachtskrippen entfernt.

Sonntag, 05.01.2020, 17:45 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 17:52 Uhr
Nur noch ein König kniet vor der Krippe in der Heilig-Geist-Kirche. Über den Verbleib der anderen beiden informiert das Schreiben der Aktion „Ausgegrenzt“.
Nur noch ein König kniet vor der Krippe in der Heilig-Geist-Kirche. Über den Verbleib der anderen beiden informiert das Schreiben der Aktion „Ausgegrenzt“. Foto: Matthias Ahlke

Jürgen Streuer ist skeptisch. Grundsätzlich, sagt der Pfarrer der Gemeinde St. Petronilla, sei das Anliegen berechtigt, auf die Not in Flüchtlingslagern aufmerksam zu machen: „Die Situation dort ist elendig.“ Doch die unerbetene Entfernung von Krippenfiguren aus Kirchen sei dafür kaum der richtige Weg.

Am Wochenende sind in ganz Münster wie im Vorjahr einige Figuren abhanden gekommen. Zwei der drei Heiligen Könige wurden heimlich gegen einen DIN-A 4-Zettel mit einer Botschaft ausgetauscht: Die Könige würden in Flüchtlingslagern festgehalten, heißt es darin. Das Ganze sei als politische Kunst zu verstehen – im vergangenen Jahr war die Josef-Figur in „Abschiebehaft“ genommen worden .

16 Figuren entfernt

Münster ist nach Angaben der Nachrichtenagentur „epd“ ein Schwerpunkt der bundesweiten „Ausgegrenzt“-Aktion – aus St. Clemens, St. Mauritz, St. Michael, St. Stephanus, St. Petronilla, St. Konrad, der Heilig-Geist- und der Dyckburgkirche wären demnach 16 Figuren entfernt worden.

Pfarrer Streuer fand am Samstag ein um Verständnis werbendes Schreiben samt Telefonnummer in seinem Briefkasten. Da waren die Könige aus St. Petronilla und der Dyckburgkirche schon weg. Ausgerechnet den Familiengottesdienst am Dreikönigstag mit nur einer Königsfigur feiern zu müssen, sei ärgerlich: „Kindern das kaputtzumachen, finde ich gemein. Das ist ein Erwachsenenthema.“ Seine Gemeinde engagiere sich sehr für Flüchtlinge, berichtet der Pfarrer – die überwiegende Meinung nach dem Gottesdienst lautete darum: gutes Thema, falsche Umsetzung.

Kindern das kaputtzumachen, finde ich gemein. Das ist ein Erwachsenenthema.

Pfarrer Jürgen Streuer

Jürgen Streuer rechnet damit, die Figuren heil zurückzubekommen – verweist aber auch auf ihren hohen ideellen Wert: Die etwa 50 Zentimeter großen Gipsfiguren aus St. Petronilla seien vor vielen Jahren von einer vor Kurzem verstorbenen Frau aus der Gemeinde angefertigt worden, die etwas kleineren Figuren in der Dyckburgkirche stammen aus der Werkstatt der münsterischen Bildhauerdynastie Mazzotti. Anzeige erstatten werde man nur, wenn die Figuren bis Ende der Woche nicht wieder da sind.

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