Hildegard Wortmann sitzt im Audi-Vorstand
„Schneller, höher weiter“ ist passé

Münster -

In der Vorstandsetage bei Audi sitzt seit einigen Monaten mit Hildegard Wortmann eine gebürtige Münsteranerin und Absolventin der FH Münster. Im Interview mit ihrer ehemaligen Hochschule erzählt sie von den Herausforderungen in der Automobilindustrie.

Montag, 06.01.2020, 15:00 Uhr
Hildegard Wortmann stammt aus Münster und studierte an der hiesigen Fachhochschule BWL. Jetzt ist sie im Vorstand der Audi AG.
Hildegard Wortmann stammt aus Münster und studierte an der hiesigen Fachhochschule BWL. Jetzt ist sie im Vorstand der Audi AG. Foto: Audi/Bernhard Huber Munich

Hildegard Wortmann ist eine der wenigen Frauen auf den Vorstandetagen der großen Automobilkonzerne. Die 53-jährige, gebürtige Münsteranerin und ehemalige BWL-Studentin an der Fachhochschule Münster ist seit dem vergangenen Sommer im Vorstand der Audi AG und dort für Marketing und Vertrieb verantwortlich. 1989 hatte Wortmann ihr BWL-Studium an der FH Münster mit Auszeichnung abgeschlossen, startete dann ihre Karriere bei Unilever, arbeitete bei Calvin Klein und für BMW. Im Interview mit Milana Mohr von der FH Münster erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Warum haben Sie sich damals für ein BWL-Studium an der FH Münster entschieden?

Wortmann: Als waschechte Münsteranerin stand die FH Münster mit ihren tollen Lernmöglichkeiten natürlich ganz oben auf meiner Liste. Ich bin nach wie vor regelmäßig und sehr gerne in meiner Heimatstadt und genieße die hohe Lebensqualität dort.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Autos?

Wortmann: Ehrlich gesagt hatte ich schon immer eine Passion fürs Autofahren. Es bedeutet für mich Freiheit und Unabhängigkeit. Natürlich bin ich auch ein Fan klassischer Autos, so war ich dreimal bei dem Autorennen „1000 Miglia“ dabei.

Welches Auto fahren Sie?

Wortmann: Mir ist es gerade als Vertriebs- und Marketingvorständin sehr wichtig, dass ich unsere gesamte Produktpalette genau kenne. Deswegen nehme ich mir bewusst Zeit und teste so oft es geht, unsere Modelle selbst. Um den unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen all unserer Kunden auf der ganzen Welt gerecht zu werden, reicht unser Angebot deshalb vom neuen A1 Citycarver für den Stadtverkehr über die High-Performance-Sportwagen bis hin zu unserem vollelektrischen Audi e-tron. Dieser zeigt klar, dass sich Fahrspaß und nachhaltiges Fahren absolut nicht ausschließen – im Gegenteil.

Apropos e-tron: Wie gehen Sie mit dem Thema Nachhaltigkeit bei Audi um?

Wortmann: Bei unseren Modellen legen wir unseren Fokus klar auf die Elektromobilität: Bis 2025 werden wir rund 30 elektrifizierte Modelle im Portfolio haben. Gleichzeitig fokussieren wir uns bei unseren E-Modellen stark auf das Ökosystem rund ums Auto, etwa die Ladeinfrastruktur.

Welche großen Projekte stehen in der neuen Position als nächstes an?

Wortmann: Aktuell definieren wir unseren Markenclaim „Vorsprung durch Technik“ neu. Dabei geht es nicht mehr nur um das technisch Mögliche, sondern es geht darum, einen Beitrag zu leisten und die Zukunft aktiv zu gestalten. Das „schneller, höher, weiter“ aus dem klassischen Autoquartett funktioniert einfach nicht mehr, jetzt geht es vielmehr darum, dass wir den Kunden eine nachhaltige Mobilität ermöglichen.

Was muss man in Ihrer Branche (als Frau) mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Wortmann: Ich bin überzeugt, das ist nicht eine Frage des Geschlechts, sondern es zählt allein Leistung, Mut, etwas Neues zu wagen und Leidenschaft für das Produkt, aber auch dafür, den Kunden zu begeistern. Wichtiger Erfolgsfaktor ist aber auch und eine große Portion Leidenschaft.

Warum macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß?

Wortmann: Die gesamte Autobranche befindet sich in einer nie dagewesenen Transformation. Viele Herausforderungen, aber das bedeutet auch: Es war noch nie so spannend wie jetzt.

Wie entspannen Sie sich von Ihrer Aufgabe?

Wortmann: Ich bin sehr gerne draußen an der frischen Luft – als Münsteranerin auf dem Rad, als Münchnerin auf den Ski. Ich mache auch Yoga zum Ausgleich, das ist überall möglich.

Welches Wissen oder welche Kompetenzen aus dem Studium haben Ihnen im Job am meisten genutzt?

Wortmann: Neugierde, Mut und Offenheit sind wichtiger als Detailwissen. Lebenslanges Lernen ist für mich Pflicht und Ambition zugleich. Ich sehe mich auch heute noch als eine Art Student, da es ständig etwas Neues zu lernen gibt. Wichtig finde ich ein internationales Mindset. Ich kann jedem empfehlen, eine längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz in Münster?

Wortmann: Es gibt viele wunderbare Orte in Münster, aber der Wochenmarkt auf dem Domplatz ganz früh am Samstagmorgen ist und bleibt einer meiner Favoriten. Die Stimmung im Winter wie Sommer ist einmalig.

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