Dominikanerkirche
Das Gerhard-Richter-Pendel macht Pause

Münster -

In der Dominikanerkirche wird in dieser Woche das Pendel-Kunstwerk von Gerhard Richter abgebaut. Anlass ist die bevorstehende Innensanierung des Barockgebäudes. Voraussichtlich im Juli kann es dann wieder besichtigt werden.

Montag, 06.01.2020, 18:15 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 20:45 Uhr
Der erste von vier Spiegeln, die zum Gerhard-Richter-Kunstwerk in der Dominikanerkirche gehören, wurde am Montag abgebaut.
Der erste von vier Spiegeln, die zum Gerhard-Richter-Kunstwerk in der Dominikanerkirche gehören, wurde am Montag abgebaut. Foto: Oliver Werner

Das Pendel ist bereits verschwunden, die vier Spiegel sollen bis Mittwoch abgehängt werden. Dann wird von Gerhard Richters Kunstwerk in der Dominikanerkirche, das sich seit Mitte 2018 zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat, nicht mehr viel übrig sein. Bis zum Sommer macht es Platz für eine umfangreiche Innensanierung des Gebäudes – bevor es, voraussichtlich im Juli, wieder an die Salzstraße zurückkehren wird. Allein die Bodenplatte bleibt zurück, sie wird für die bevorstehenden Arbeiten mit einer Holzhülle gesichert.

Mit Mini-Kran abgebaut

Am Montagmorgen um 4 Uhr sind die Mitarbeiter der Metallbaufirma Ammann in Bretten bei Karlsruhe losgefahren. Als sie fünf Stunden später in der Dominikanerkirche eintreffen, steht dort schon ein Mini-Kran, den ein Dortmunder Fahrzeugverleih zur Verfügung gestellt hat. Gegen 14.30 Uhr soll der erste, immerhin 350 Kilogramm schwere Richter-Spiegel von der Wand genommen werden, doch der Kran steht an der falschen Stelle. Er muss neu positioniert werden. Dann endlich kann er den Spiegel aus seiner Verankerung heben. Zusammen mit den drei weiteren Spiegeln soll er am Donnerstag auf einen Lkw verladen und in ein Depot bei Münster gebracht werden.

Gerhard-Richter-Pendel abgebaut

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Neues Licht- und Akustikkonzept

Damit ist der Weg für die Innensanierung frei. Die Wände werden gestrichen, eine Fußbodenheizung wird eingebaut. Die Fenster werden überarbeitet, ein neues Lichtkonzept und ein neues Akustikkonzept umgesetzt. „Musik hallt hier noch länger nach als im Kölner Dom“, sagt Annegret Mantke vom Amt für Immobilienmanagement. Und selbst der habe eine schlechte Akustik. Damit die in Zukunft geplanten Lesungen und Konzerte so gut wie möglich zur Geltung kommen, feilen aktuell Experten der RWTH Aachen am Raumklang.

Diese Arbeiten sollen in sechs Monaten abgeschlossen sein, im Herbst soll ein Anbau an die Sakristei fertig sein, hier werden sich künftig Garderoben und Toiletten befinden. Und bis Jahresende, sagt Mantke, wird dann auch die Sanierung des Altares abgeschlossen sein.

Finanzspritzen von Bund, Land und Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Die im Krieg schwer beschädigte Dominikanerkirche – 1708 bis 1725 erbaut – gilt heute als national bedeutendes Denkmal. Entsprechend üppig fallen die Zuschüsse für die 3,7 Millionen Euro teure Baumaßnahme aus. Bund, Land und Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuern fast 1,8 Millionen Euro und damit etwa die Hälfte der Baukosten bei, berichtet Stadt-Sprecherin Monika Bitter.  

Außensanierung: Gerüste werden im Februar abgebaut

Innensanierung und Außensanierung der Dominikanerkirche werden sich nur wenige Wochen überschneiden. „Mitte Februar werden die letzten Gerüste an der Fassade verschwinden“, sagt Annegret Mantke vom Amt für Immobilienmanagement. In den vergangenen Monaten war das Dach gedeckt worden, die Fugen des Gebäudes wurden fast komplett erneuert, die Kuppel gar zum ersten Mal überhaupt verfugt.

Bereits vor einigen Wochen war das Gerüst an der Westfassade abgebaut worden, die seitdem in neuem Glanz erstrahlt.375 000 Menschen haben das Gerhard-Richter-Kunstwerk seit Mitte 2018 bewundert, zuletzt war die Kirche am 29. Dezember 2019 geöffnet. Mit der Wiedereröffnung rechnet die Stadt im Juli. Der Eintritt zum Richter-Kunstwerk soll auch danach frei sein.

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Kommentar

Der Abschied fällt schwer. Das Kunstwerk von Gerhard Richter in der Dominikanerkirche ist nur noch ein Torso, zurück bleibt die Bodenplatte.Eineinhalb Jahre lang hat es Hunderttausende Kunst-Freunde begeistert. Nun ist Schluss, Richter-Pause, für sechs Monate – oder noch etwas länger, falls die Archäologen fündig werden. Immerhin, es kehrt zurück – und bleibt damit auch in Zukunft als nationales und internationales Aushängeschild der Kultur-Stadt Münster erhalten.

Gerade jetzt, beim Anblick der fast leeren Dominikanerkirche, wird deutlich, welch ein Glücksfall das Pendel ist. Das war so nach der Profanierung nicht abzusehen. Dass eine christliche Kirche ihre Funktion verliert, war für viele Münsteraner alles andere als einfach. Gut, dass ein Kunstwerk die Lücke füllt – und nicht Verwaltung, Geschäfte oder Restaurants eingezogen sind. Insofern: Auf bald, Gerhard Richter!

von Martin Kalitschke

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