Neues Jahr, neue Vorsätze
Mehr Bewegung beim Sitzen

Münster -

Neues Jahr, neue Vorsätze. Die einen wollen mehr Sport machen, die anderen motivierter lernen. So oder so, im Alltag sitzen wir zu viel. Folge: Rückenbeschwerden, Nackenverspannungen oder gar Wundsitzen. Wie Sitzen ein geringeres Übel wird, erklärt Prof. Dr. Klaus Peikenkamp von der FH Münster.

Dienstag, 07.01.2020, 10:00 Uhr
Prof. Dr. Klaus Peikenkamp lehrt und forscht an der FH Münster unter anderem in den Bereichen Biomechanik und Messtechnik in der Orthopädie.
Prof. Dr. Klaus Peikenkamp lehrt und forscht an der FH Münster unter anderem in den Bereichen Biomechanik und Messtechnik in der Orthopädie. Foto: FH Münster/Theresa Gerks

Neues Jahr, neue Vorsätze – mehr Sport machen oder motivierter lernen. So oder so, im Alltag sitzen wir zu viel. Die Folge bei vielen: Rückenbeschwerden, Nackenverspannungen oder gar Wundsitzen. Wie Sitzen ein geringeres Übel wird, erklärt Prof. Dr. Klaus Peikenkamp vom Fachbereich Physikingenieurwesen der Fachhochschule Münster.

Herr Prof. Peikenkamp, gibt es beim Sitzen eine perfekte Position, die für alle Menschen sinnvoll ist?

Peikenkamp: Nein, die gibt es nicht, weil einfach jeder Mensch einen anderen Körper hat. Vorteilhaft ist vielmehr ein Wechsel der Positionen – davon leben wir! Also zwischendurch immer mal aufstehen, sich strecken, Übungen für den Rücken und Nacken machen. Einen Stuhl, der einem das erspart, wird es niemals geben, das müssen wir uns klarmachen. Wichtig ist auch, dass jeder zwei, drei gute Positionen findet, die gesund sind und sich gut anfühlen. Die ganze Zeit kerzengerade zu sitzen, ist längst überholt.

Was kennzeichnet denn eine gute Position?

Peikenkamp: Dafür muss man sich darüber Gedanken machen, welche Körperteile eigentlich unser Gewicht tragen, wenn wir sitzen. Das sind maßgeblich Gesäß, Oberschenkel und Wirbelsäule. Den größten Teil des Gewichts nimmt unser Gesäß auf. Deshalb ist es wichtig, dass der Schreibtischstuhl die Sitzbeinhöcker entlastet – das sind die beiden Knochen, die man unter dem Gesäß ertastet. Außerdem ist es vorteilhaft, wenn Gesäß und Oberschenkel möglichst viel der Sitzfläche des Stuhls einnehmen, denn so verteilt sich das Gewicht auf eine möglichst große Fläche. Genaue Messungen sind mit einer Druckverteilung möglich.

Was passiert dabei genau?

Peikenkamp: Die Probanden sitzen auf einer Art Matte mit vielen Sensoren, die über einen Stuhl gelegt wird, und die Sensoren messen die Verteilung des Drucks auf die Sitzfläche. So erhält man ein ganz persönliches Sitz-Profil. Es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie man das Gewicht durch verschiedene Positionen austarieren kann. Schwere Menschen sind zum Beispiel mehr belastet, weil der Druck beim Sitzen eher die Gefäße zusammendrückt. Andere sitzen gerne mit einem Bein über das andere geschlagen. Das muss nicht generell gut oder schlecht sein. Aber Fehlbelastungen kommen meist erst nach vielen Jahren zutage. Deshalb ist eine Person, die viel sitzt, eigentlich darauf angewiesen, das einmal checken zu lassen – wer individuell passende Laufschuhe haben möchte, bekommt ja auch eine Beratung am Laufband. Das müsste es auch beim Stuhlkauf geben. Ich bin der Ansicht, dass die Druckmessung zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gehört und dass sich so Fehlzeiten wegen Rückenbeschwerden und Ähnlichem reduzieren lassen. Denn nur, wer genau weiß, wie er eigentlich sitzt, kann sein Verhalten verändern oder womöglich einen ganz anderen, besser passenden Stuhl kaufen.

Was ist mit Hilfsmitteln wie Hockern oder Gymnastikbällen?

Peikenkamp: Hocker und Gymnastikbälle sind nicht wirklich Hilfsmittel, sondern eher eine Sensibilisierung und Anregung, selbst für eine gesunde Sitzposition zu sorgen. Aber auch das bringt nichts, wenn man sich vornüberbeugt und somit in eine schlaffe Haltung verfällt. Als Abwechslung sind sie aber gut geeignet, und sie bringen ein wenig Bewegung ins Spiel, die ja wie gesagt fürs Sitzen auch sehr wichtig ist.

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