Konzert von Götz Widmann
Europäischer Poet in Hochform

Münster -

Liedermacher Götz Widmann wird auch nicht jünger – aber besser. Im Sputnik-Café erlebten seine Fans das vielleicht beste Konzert des Liedermachers, der in Münster seit Jahren musikalischer Stammgast ist.

Montag, 06.01.2020, 21:00 Uhr
Liedermacher Götz Widmann war schon häufig zu Gast in Münster. Am Samstagabend spielte er trotzdem sein vielleicht bestes Konzert in der Stadt.
Liedermacher Götz Widmann war schon häufig zu Gast in Münster. Am Samstagabend spielte er trotzdem sein vielleicht bestes Konzert in der Stadt. Foto: Björn Meyer

„Zöllner vom Vollzug“ abhalten, „Chronik meines Alkoholismus“ und „Holland“ – Götz Widmann eröffnet ohne Geplänkel mit drei starken Songs am Samstagabend seine Show im Sputnik-Café. Danach erst wendet er sich an sein Publikum. Ausführlich, so wie die Zuschauer ihren Götz halt lieben, erzählt er die Vorgeschichte des nächsten Songs, der auf dem tags zuvor veröffentlichten Album „Tohuwabohu“ erschienen ist. Als Widmann schließlich die ersten Akkorde zu „Klimakatastrophe“ spielt, merkt er selber an: „Es gibt ungefähr 100 Lieder von mir, die so anfangen.“

Texte wichtiger als Akkorde

Das stört freilich niemanden, auch weil es noch nie auf die Akkorde bei den Konzerten des Liedermachers ankam. Es sind seine Texte, für die seine Fans ihn verehren. Weil Widmann die Gabe hat, Erlebnisse und Erdachtes so zu erzählen, dass der Zuhörende den Inhalt automatisch auf sein eigenes Leben überträgt. Manchmal melancholisch, wesentlich häufiger aber sind die Songs gespickt mit Witzen und Spitzen.

Nur einmal wird Widmann daher an diesem Abend ernst. Wieder geht es um einen Song seines neuen Albums. „Europa“ heißt der. „Für einen europäischen Pass würde ich meinen deutschen sofort abgeben“, sagt er und lässt in seinem Song eine Hommage an das europäische Projekt folgen.

Zahlreiche Zugaben und musikalischer Rückblick

Schon in der ersten Dreiviertelstunde zeigt sich an der einen oder anderen Stelle, dass Widmann an diesem Abend Lust aufs Spielen hat. Dennoch kommt die obligatorische Pause, in der der Künstler stets seine CDs verkauft und einen Plausch mit den Besuchern hält, früh. Fast müsste man fürchten, Widmann habe es eilig, wieder von der Bühne zu kommen. Doch alles kommt ganz anders. Auch weil das Publikum lautstark mitgeht, spielt Widmann letztlich eine Zugabe nach der anderen – mit dabei auch eine feine Auswahl an Liedern seiner Zeit bei Joint Venture. Dem Duo also, mit dem die Musikkarriere Widmanns begann, und das durch den Tod seines Mitstreiters „Kleinti“ viel zu früh endete.

Und auch daran erinnert Widmann bei seinem Auftritt einmal. Als er von Maria erzählt – der Kneipe, die eigentlich ganz anders hieß, die aber alle nur nach der Wirtin benannten, und in der Götz und Kleinti in einem Nebenraum voller „alkoholischer Pflegefälle“ bescheidene musikalische Anfänge klampften.

Die Kneipe gibt es mittlerweile nicht mehr. Götz Widmann aber schreibt und singt nach rund 30 Jahren noch immer Songs – und hat dabei offenbar mehr Spaß als jemals zuvor.

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