Förderbescheid des Bundes liegt vor
Batterieforschungsfabrik: Land kauft Grundstück von der Stadt

Münster -

Das Land hat am Mittwoch für 2,5 Millionen Euro das Grundstück für die künftige Batterieforschungsfabrik von der Stadt Münster erworben. 2022 soll das Fabrikgebäude stehen.

Mittwoch, 15.01.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 19:13 Uhr
Sie freuen sich, dass der Grundstücksvertrag für die bundesweit bedeutsame Batterieforschungsfabrik unter Dach und Fach ist: Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers (l.) und Ludger Kloidt, Geschäftsführer des Landesunternehmens NRW-Urban.
Sie freuen sich, dass der Grundstücksvertrag für die bundesweit bedeutsame Batterieforschungsfabrik unter Dach und Fach ist: Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers (l.) und Ludger Kloidt, Geschäftsführer des Landesunternehmens NRW-Urban. Foto: Oliver Werner

„Wir würden niemals ein Grundstück kaufen, wenn wir nicht sicher wären, dass wir das Projekt auch realisieren könnten.“ Mit diesem Satz wischte Ludger Kloidt, Geschäftsführer des Unternehmens NRW-Urban, die nun wirklich allerletzte Befürchtung beiseite, dass die geplante Batterieforschungsfabrik in Amelsbüren doch noch nach Süddeutschland abwandern könnte.

Denn NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der in der Standortfrage hart mit seinen Kollegen aus Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen gerungen hat, hat NRW-Urban damit beauftragt, die neue Forschungsanlage zu bauen. Und die Tinte unter dem Vertrag zum Grundstücksankauf ist bereits trocken, wie Kloidt am Mittwoch gemeinsam mit Münsters Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers verkündete.

Gebäude für 150 Batterieexperten

Für 2,5 Millionen Euro ging ein 39.000 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet Hansa-Businesspark, direkt am Kanal gelegen, in das Eigentum des Landes über. Zudem steht eine 10.000 Quadratmeter große Erweiterungsfläche zur Verfügung.

Das Gebäude, das bis zum dritten Quartal 2022 entstehen soll und in dem dann rund 150 Batterieexperten, überwiegend Wissenschaftler, arbeiten sollen, beschrieben Kloidt und Robbers bei einem Pressegespräch als „eine Mischung aus Bürogebäude, Forschungslabor und Produktionsstätte“.

Die eigentliche Arbeit an den Batterien der Zukunft, die sich der Bund immerhin 500 Millionen Euro kosten lässt, wird von der Fraunhofer-Gesellschaft durchgeführt. Das Land NRW selbst lässt sich Bau und Betrieb der neuen Forschungseinrichtung 200 Millionen Euro kosten. Es geht darum, leistungsstarke, umweltfreundliche und auf die jeweilige Nutzung abgestimmte Batterien bis zur Serienreife zu entwickeln.

Forschungsfabrik mit „Sogwirkung“?

Gerade weil es für Batterien so viele Nutzungsmöglichkeiten gibt – vom Automobil über die Robotik und den Maschinenbau bis hin zur Medizintechnik – geht Robbers davon aus, dass die Forschungsfabrik mit der Aufnahme ihres Betriebes eine „Sogwirkung“ für den Hansa-Businesspark entwickeln werde. Das insgesamt 56 Hektar große Gelände entlang der A 1 ist bereits zu 60 Prozent verkauft. Jetzt rückt die Bebauung der weiter östlich gelegenen Reservefläche zum Hansa-Businesspark näher.

Der Zuschlag für die bundesweit einmalige Forschungsfabrik hatte im vergangen Jahr heftige Wellen geschlagen und dafür gesorgt, dass sich drei Bundesländer bei der Kanzlerin über die Standortentscheidung zu Gunsten von Münster beschwerten.

Revidiert wird die Entscheidung aber nicht mehr. Der erste Förderbescheid des Bundes über 150 Millionen Euro liegt bereits vor.

Kommentar

Keine Chance ohne Risiko

Gewiss, die sehr harsche Kritik aus den „Automobilländern“ Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen ist verklungen, aber lange schwang in Münster die Sorge mit, die Bundesregierung könne doch noch einknicken. Jetzt ist es endgültig: Die Batterieforschungsfabrik wird in Amelsbüren gebaut, das Land NRW hat das dafür erforderliche Grundstück gekauft.

Mit der neuen Einrichtung bietet sich für die Universitätsstadt Münster die seltene Chance, eine für die Mobilität und die Energieversorgung der Zukunft entscheidende Technologie federführend vorzuantreiben.Doch keine Chance ohne Risiko: Fortan geht es nicht mehr bloß um die Qualität von Forschungsergebnissen, sondern auch um die Qualität neu entwickelter Batterien.

Auf Münster ruhen jetzt viele Hoffnungen, aber Münster wird auch genannt, wenn sich diese Hoffnungen nicht erfüllen.

von Klaus Baumeister

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