Organspende-Entscheidung
„Dieses Ergebnis ist für mich nicht erklärbar“

Münster -

Er hat die Abstimmung im Deutschen Bundestag hautnah auf der Tribüne verfolgt. Über das Ergebnis ist der Gründer der münsterischen Organspende-Initiative „No panic for organic“ tief enttäuscht.

Donnerstag, 16.01.2020, 13:22 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 11:10 Uhr
Dieter Kemmerling, Gründer der münsterischen Organspende-Initiative „No panic for organic“, ist enttäuscht über die Ablehnung der Widerspruchslösung.
Dieter Kemmerling, Gründer der münsterischen Organspende-Initiative „No panic for organic“, ist enttäuscht über die Ablehnung der Widerspruchslösung. Foto: Matthias Ahlke

„Ich bin in Berlin und frustriert.“ Dieter Kemmerling, Gründer der Organspende-Initiative „No panic for organic“, hat das Scheitern der von ihm beworbenen Widerspruchslösung hautnah auf der Besuchertribüne des Deutschen Bundestags verfolgt. „Ich kann nicht richtig nachvollziehen, wie das zustande gekommen ist“, sagt der 73-jährige Münsteraner, der 2001 selbst eine Spenderleber erhielt. „Dieses Ergebnis ist für mich nicht erklärbar.“ Die fundamentale Ablehnung sei unverständlich, spielt Kemmerling auf das am Ende doch überraschend deutliche Abstimmungsergebnis an.

Von einer grundlegenden Änderung der Organspende, wie sie Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagen hatte, erhoffte sich Kemmerling eine deutliche Steigerung an Organspenden. „Jetzt wird sich an den Zahlen nicht viel ändern“, befürchtet ein hörbar tief enttäuschter Streiter für mehr Organspenden.

Seit 15 Jahren kämpft er für die sogenannte Widerspruchlösung. Doch ans Aufgeben denkt der Musiker Beat-Band „Dandy´s“ in dieser für ihn schwarzen Stunde nicht: „Wir spielen jetzt noch lauter, damit man uns noch besser hört.“ In der Bundestagsdebatte vermisste Kemmerling den „Praxisbezug zu den Schicksalen im wahren Leben“ – insbesondere bei denen, die die Widerspruchslösung abgelehnt hätten. „Die Juristerei stand zu sehr im Vordergrund.“

Ein kleines Hintertürchen für die Widerspruchslösung, sieht Kemmerling noch: Er hofft, dass die Zahl an Organspendern auch so deutlich zunimmt. „Das ist mein Wunsch, denn es geht ja um die Sache. Und wir haben zu wenig Spenden.“ Wenn es aber bei den desaströsen Zahlen bliebe, könnte es vielleicht schon in zwei Jahren eine neue Chance für die Widerspruchslösung geben.

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