Befragung zum Sicherheitsgefühl
Es gibt noch viel zu tun im Bahnhofsviertel

Münster -

Das Unwohlsein im Bahnhofsviertel in Münster ist groß. Das hat unterschiedliche Gründe, wie die zweite Umfeldbefragung der Polizei zeigt. Beim „Münsteraner Sicherheitsdialog“ gab es erste Ergebnisse.

Mittwoch, 22.01.2020, 06:40 Uhr aktualisiert: 22.01.2020, 06:43 Uhr
Die Drogenszene am Bremer Platz bleibt ein Hauptaugenmerk von Polizei und Stadt. Das wurde am Dienstag beim „Münsteraner Sicherheitsdialog“ im Polizeipräsidium deutlich.
Die Drogenszene am Bremer Platz bleibt ein Hauptaugenmerk von Polizei und Stadt. Das wurde am Dienstag beim „Münsteraner Sicherheitsdialog“ im Polizeipräsidium deutlich. Foto: Oliver Werner

Wie ist es um die Situation im Umfeld des Hauptbahnhofs bestellt? „Die meisten fühlen sich nicht unsicher“, meint Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, „aber es gibt ein Unwohlsein.“ Mit diesen Worten fasst er die Ergebnisse der zweiten Umfeldbefragung der Polizei aus dem Oktober 2019 zusammen, die am Dienstag beim „Münsteraner Sicherheitsdialog“ im Polizeipräsidium vorgestellt wurden.

Vandalismus und Verschmutzung

Den Befragten bereitet demnach der Aufenthalt drogenabhängiger und wohnungsloser Personen im Bahnhofsviertel das größte Unwohlsein. Vandalismus sowie Verschmutzung auf Bürgersteigen oder Plätzen sorgen ebenfalls für ein ungutes Gefühl. Was nach Aussage von Jürgen Tölle, Leiter Strategisches Controlling der Polizei, diesmal „sehr aufgefallen“ ist: Wegen aufdringlicher Bettler fühlen sich Menschen im Umfeld des Hauptbahnhofs unwohl. Tölle folgert: „Es gibt nach wie vor eine hohe Kritik an der Umgebung des Hauptbahnhofs.“

Dort finden rund 20 Prozent der Gesamtkriminalität von Münster statt, wie der oberste Kripo-Chef Frank Kaiser beim Sicherheitsdialog unter dem Titel „Handlungsfeld Bahnhof – der Bremer Platz verändert sich“ feststellt. Dabei sei es für die Polizei ein Spagat, zugleich nachhaltige Maßnahmen gegen die Kriminalität zu treffen und sichtbare polizeiliche Präsenz zu zeigen.

Mehr Dealer aus den Niederlanden

Mit der Kriminalitätsentwicklung im Bahnhofsbereich zeigt sich Kaiser durchaus zufrieden und verweist auf ein wöchentliches Controlling. So seien beispielsweise die Zahlen der Taschendiebstähle in diesem Bereich auf einem Tiefstand.

Die in der Drogenszene neben Heroin zunehmend gebrauchten Mittel Crack und Freebase bereiten der Polizei indes Kopfschmerzen. Genauso wie vermehrt Dealer aus den Niederlanden, die nach Kaisers Beobachtung inzwischen weniger im Bahnhofsumfeld auftauchen, sondern sich Wohnungen zum Drogenverkauf suchen. „Wir haben im zweistelligen Bereich niederländische Bürger in U-Haft.“

Mit dem erhobenen Meinungsbild und dem Vergleich aus der ersten Befragung im Februar 2018 will die Polizei den Erfolg ihrer Maßnahmen überprüfen und neue Handlungsfelder identifizieren. Schließlich sind die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in ausgewählten Bereichen rund um den Hauptbahnhof seit November 2017 zum Behördenziel erhoben worden.

Sicherheitsgefühl

6100 Fragebögen wurden bei der zweiten Umfeldbefragung der Polizei im Bahnhofs­viertel verteilt. Die Rücklaufquote lag bei gut 33 Prozent. 59,4 Prozent der Befragten fühlen sich dort „sehr sicher“ bis „eher sicher“. Dagegen sind 40,6 Prozent „eher unsicher“ oder „sehr unsicher“. Im Vergleich zu Februar 2018 hat sich das Sicherheitsgefühl um 1,1 Prozentpunkte verbessert.

...

Die neue Umfrage soll noch mit Experten des Landeskriminalamtes detailliert ausgewertet werden. Im Großen und Ganzen decken sich deren Ergebnisse aber mit der früheren Befragung. Allerdings gibt es zarte Hinweise, dass sich das Sicherheitsgefühl offenbar leicht verbessert hat.

Der scheidende Polizeipräsidenten Kuhlisch sieht seine Kollegen damit auf dem „richtigen Weg“, sagt aber auch zum Problemfeld Bahnhofsviertel: „Das wird eine Daueraufgabe.“

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