Prozess um Messerattacke fortgesetzt
Gutachterin: Opfer war in Lebensgefahr

Münster -

Eine Gutachterin hat dem Gericht bestätigt, dass das 21 Jahre alter Opfer einer Messerattacke nach dem Angriff in Lebensgefahr geschwebt habe. Der Prozess gegen den 25 Jahre alten mutmaßlichen Täter wird fortgesetzt,

Donnerstag, 23.01.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 15:44 Uhr
Prozess um Messerattacke fortgesetzt: Gutachterin: Opfer war in Lebensgefahr

Seit Anfang des Jahres wird am Land­gericht Münster die Messerattacke vor einem Imbiss am Berliner Platz verhandelt. Am 6. Juli 2019 hatte ein 25-jähriger aus Marokko stammender Telgter einem 21-jährigen Libanesen eine gefährliche Stichwunde in den Bauch zugefügt (wir berichteten). Die Tat selbst hatte der Angeklagte zu Beginn des Verfahrens bereits ein­geräumt und ausgesagt, dass er nach dem Zustechen erkannt habe, sein Opfer könnte sterben. Klarheit bezüglich des genauen Tat­hergangs, aufgrund dessen sich der 25-Jährige wegen versuchten Totschlags verantworten muss, erlangte das Schwurgericht jedoch auch am jüngsten Prozesstermin nicht.

Stattdessen machte die Verlobte des Angeklagten trotz ihres Zeugnisverweigerungsrechts Angaben vor Gericht. Die Tatwaffe, ein Einhandmesser mit einer zehn Zentimeter langen, einschneidigen Klinge, hatte der Angeklagte seiner Verlobten gekauft, da diese sich auf dem Weg zur Arbeit häufig unsicher gefühlt habe. Weiter sagte die 32-Jährige aus, dass sie einen Tag vor der Tat einen großen Streit mit ihrem Verlobten gehabt habe. Dabei sei es um dessen Marihuana-Konsum sowie Eifersucht gegangen. Als er ihr drohte, ihr Auto und ihre Wohnung anzuzünden und sie „kaputt zu schlagen“, verbrachte sie aus Angst die Nacht vor der Tat in einem Hotel. Am Tag selbst hatten sich die Verlobten nicht mehr gesehen und auch nicht mehr gesprochen.

Die rechtsmedizinische Sachverständige bestätigte, dass die Messerattacke potenziell lebensbedrohlich für den Libanesen gewesen sei. Da durch die Attacke ­sowohl Dick- als auch Dünndarm perforiert worden ­waren, hätten Keime in die Bauchhöhle gelangen und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung hervorrufen können. Der 21-jährige, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt, fordert zivilrechtlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 20 000 Euro von dem Angeklagten.

Am Donnerstag (6. Februar) wird der Prozess fort­gesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7213782?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker