Prozess wegen Brandstiftung
Psychiatrischer Sachverständige hält Angeklagten für nicht schuldfähig

Münster -

Im Prozess gegen einen 32-Jährigen, der mit einem Flambiergerät seine Wohnung in Brand gesetzt und so seine Nachbarn gefährdet hatte, kam am Montag der psychiatrische Sachverständige zu Wort. Er hält den Angeklagten für nicht schuldfähig.

Montag, 27.01.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 20:25 Uhr
Prozess wegen Brandstiftung: Psychiatrischer Sachverständige hält Angeklagten für nicht schuldfähig

Im Verfahren um die Wohnungsbrandstiftung in einem münsterischen Mehrparteienhaus, standen am zweiten Prozesstag die Tatumstände und die Schuldfähigkeit des Angeklagten im Mittelpunkt der Verhandlung.

Zeugen schilderten, dass der 32-Jährige, der seine Wohnung mit einem Flambiergerät in Brand setzte, bereits zwei Wochen vor der Tat durch sein Verhalten aufgefallen war. Zunächst hatte er Bierkästen und einen Fernseher von seinem Balkon geworfen. Anschließend hielt er wild gestikulierend in einem Kreisverkehr einen Pkw-Fahrer an und führte auch Sachschäden herbei, als er auf das Fahrzeugdach stieg.

Auch einen Linienbus hinderte er vorübergehend am Weiterfahren, bis er den Kreisverkehr verließ und in der Nähe von herbeigerufenen Polizeibeamten festgehalten wurde. Nach diesem Vorfall hatte sich der Angeklagte selbst in eine psychiatrische Klinik begeben, diese aber nach fünf Tagen verlassen. In der Folgezeit verschlechterte sich das Krankheitsbild des Münsteraners rapide und obwohl er sich am Tattag wieder in eine Klinik einweisen wollte, eskalierte die Situation durch die Brandlegung.

Akute Wahnvorstellungen

Der Münsteraner, der zu dem Zeitpunkt wohl unter akuten Wahnvorstellungen litt, kann sich nach eigenen Angaben an die Vorfälle sowie die Brandlegung nicht erinnern. Auch die Nachbarn, die ihn aus der brennenden Wohnung befreiten, erkannte er nicht und widersetzte sich zunächst seiner eigenen Rettung. Vor Gericht entschuldigte er sich nun bei den Zeugen: „Ich war außer mir“, erklärte der 32-jährige.

Der forensische Sachverständige machte im Gutachten deutlich, dass der Angeklagte an einer nicht nur vorübergehenden paranoid-halluzinatorischen Psychose leidet und hält ihn insofern „aufgrund aufgehobener Einsichts- und Steuerungsfähigkeit“ für nicht schuldfähig. Mit Blick auf eine zukünftige Unterbringung führte der Sachverständige aus, dass er ein Aufenthalt in einem Wohnheim empfehlen würde, was aufgrund des Brandstiftungsdelikts jedoch nur schwer zu realisieren sei.

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