Semesterabschlusskonzert des Jungen Sinfonieorchesters
Begeisterungsstürme für Doppel

Münster -

Zwei, die wenig mit der Musik des jeweils Anderen anfangen konnten, standen auf dem Programm: Johannes Brahms und Peter Tschaikowsky. Zwei, die musikalisch perfekt harmonierten, standen gemeinsam auf dem Podium.

Freitag, 31.01.2020, 13:56 Uhr
Der Dirigent des Junges Sinfonieorchesters, Bastian Heymel, applaudierte Alexander Sitkovetsky (l.) und Gabriel Schwabe.
Der Dirigent des Junges Sinfonieorchesters, Bastian Heymel, applaudierte Alexander Sitkovetsky (l.) und Gabriel Schwabe. Foto: zin

Zwei, die wenig mit der Musik des jeweils Anderen anfangen konnten, standen auf dem Programm: Johannes Brahms und Peter Tschaikowsky. Zwei, die musikalisch perfekt harmonierten, standen gemeinsam auf dem Podium: Alexander Sitkovetsky und Gabriel Schwabe. Es war das Doppelkonzert für Violine und Violoncello von Brahms, das die jungen Virtuosen zu einem Konzert der Extraklasse beflügelte. Mit druckvollem Spiel und noblem Klang rückten Sitkovetsky (Violine) und Schwabe (Cello) dem bekannten Werk zu Leibe und rissen die vollbesetzte Aasee-Aula zu Begeisterungsstürmen hin. Ihr Spiel hätte allen großen Konzertsälen Ehre gemacht.

Wie das Programmheft informierte, kann Menuhin-Zögling Alexander Sitkovetsky Zusammenarbeit mit Julia Fischer als Referenz nennen – Gabriel Schwabe konzertierte bereits mit Lars Vogt und Christian Tetzlaff. Es ist sicher einmal mehr Dirigent Bastian Heymels guten Beziehungen zu danken, dass solche Klassesolisten sich mit einem Laienorchester die Ehre geben. Apropos Ehre: Das Junge Sinfonieorchester hat in den letzten Jahren ein Niveau erklommen, das staunen macht.

Die packende Einleitung, in welcher sich Geige und Cello um die Stimmführung balgen, zeigte das Duo sofort in bester Harmonie, in freundschaftlichem Wettstreit (nicht umsonst schrieb Brahms das Konzert als „Kitt“ für seine angeschlagene Freundschaft mit dem Geiger Joseph Joachim).

Sitkovetsky und Schwabe stimmten in puncto Intonation und Draufgängertum in absolut verblüffender Weise überein. Sie dürfen durchaus in Erwägung ziehen, sich explizit für diese Konzert als „festes Duo“ buchen zu lassen. Was den zwei Virtuosen hier gelang, war ein Brahms, der in herbstlicher Melancholie schwelgen durfte, ohne einen Takt lang in Sentimentalitäten zu versinken. Markiger Strich und zügige Tempi bürgten dafür. Chapeau!

Nicht minder tief zog man den Hut vor den „Jusis“, als sie sich mit Verve und Wonne in Tschaikowskys Fünfte warfen – ein Stück, das durchaus zu Recht als Reißer wie auch als Meisterwerk der russischen Symphonik gilt. Und man staunte wiederum, wie präzise das unheilsschwangere Schicksalmotiv der Klarinette durchs orchestrale Dickicht geschleust wurde, um am Ende in strahlende Dur-Fanfaren zu münden, die Kollege Brahms seinerzeit indes „banal“ erschienen. Nicht so Bastian Heymel, der sich als Tschaikowsky-Anwalt ersten Ranges empfahl. Kein Wunder, dass es sich Solist Sitkovetsky hier nicht nehmen ließ, bescheiden in der Violingruppe mitzugeigen. Russisches Erbe verpflichtet eben…

Das Konzert wird am Freitag (31. Januar) um 20 Uhr in der Aasee-Aula wiederholt.

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