Kommentar: Uniklinikum mit Dach-Gastronomie
Aufstocken bleibt das Motto

Münster -

Das Universitätsklinikum steht weiter vor großen Herausforderungen. Das Aufstocken der Türme um eine Etage taugt immerhin als Stimmungsaufheller.

Samstag, 01.02.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.02.2020, 16:08 Uhr
So soll das künftige Café auf der neuen 20. Etage im Bettenturm Ost einmal aussehen
So soll das künftige Café auf der neuen 20. Etage im Bettenturm Ost einmal aussehen Foto: Haverkamp Interior Design

Die Steuerung des Tankers Uniklinikum Münster ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Das wurde beim Neujahrsempfang bei allen Appellen zu Eintracht und Teamgeist sehr deutlich. Noch ist nicht klar, wie hoch das Defizit des Geschäftsjahres 2019 ausfallen wird. Dass unter der Bilanz erneut rote Zahlen stehen werden, das ließen mehrere Redner beim Neujahrsempfang schon deutlich durchblicken. Die meisten deutschen Universitätskliniken wirtschaften zwar im Minus – aber im Jahr 2017 war das Defizit in Münster mit rund 29 Millionen Euro bundesweit bemerkenswert hoch, und 2018 betrug es noch stattliche rund 23 Millionen Euro.

UKM-Patienten und Angehörige nehmen zweierlei wahr: Einerseits die hoch technisierte Spitzenmedizin, mit der Chance auf erfolgreiche Therapien für komplizierte und sehr schwere Erkrankungen. Andererseits spürbare Personalengpässe vor allem in der Pflege und eine Unterbringung in den Bettentürmen, die mit dem modernen Standard vieler anderer Krankenhäuser nicht mithalten kann. Beides sind Probleme, die das UKM nicht auf Anhieb lösen kann: Der Pflegenotstand ist allgemein spürbar und die Modernisierung der Bettentürme ist eine Maßnahme, die realistischerweise viele Jahre in Anspruch nehmen wird.

Bloßes Manöver?

In dieser Situation versucht die Spitze des UKM mit der Ankündigung, nun sehr kurzfristig beide Bettentürme aufzustocken, und auf dem östlichen Turm eine öffentliche Gastronomie zu etablieren, einen positiven Akzent zu setzen und für gute Stimmung zu sorgen. Grundsätzlich ist das Café mit Ausblick für alle sicher keine schlechte Idee. Abgesehen von der Frage, ob die angekündigte Aufstockung tatsächlich im laufenden Jahr nach wohlgemerkt abgeschlossener Fassadensanierung realistisch ist, bleibt es auch sehr fraglich, ob der Plan als Mittel für eine nachhaltige Stimmungsaufhellung sorgen kann.

Es besteht die Gefahr, dass die Ankündigung als bloßes Manöver verstanden wird. Leser unser Zeitung reagierten am Freitag prompt süffisant auf die online verbreitete Nachricht – mit der Anregung, statt der Türme erst einmal das Pflegepersonal aufzustocken. Festzuhalten bleibt: Aufstocken bleibt das Motto.

Fassadenwechsel am UKM

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