Coerder schenkt Sammlung an Villa ten Hompel
Postkarten als Brücke in die Vergangenheit

Münster -

Die Villa ten Hompel hat aus der Sammlung des Coer­ders Bernd Löckener eine Schenkung mit 860 Objekten erhalten. Die Sammlung habe einen hohen Wert für die Dokumentation und Forschung, sagt Dr. Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel.

Montag, 03.02.2020, 10:00 Uhr
Bei der Schenkung (v.l.): Dr. Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel (Recherche, historisch-politische Bildungsarbeit, Seminar- und Projektkonzeptionen), Dr. Michael Seligmann, Vorsitzender des Fördervereins der Villa ten Hompel, und Bernd Löckener.  Foto: kaj
Bei der Schenkung (v.l.): Dr. Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel (Recherche, historisch-politische Bildungsarbeit, Seminar- und Projektkonzeptionen), Dr. Michael Seligmann, Vorsitzender des Fördervereins der Villa ten Hompel, und Bernd Löckener.  Foto: kaj

Die Villa ten Hompel hat aus der Sammlung des Coer­ders Bernd Löckener eine Schenkung mit 860 Objekten erhalten. Dr. Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel, war morgens persönlich nach Coerde gefahren, um die Objekte zu der Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsstätte am Kaiser-Wilhelm-Ring zu transportieren.

Dort fand anschließend die offizielle Übergabe mit Unterzeichnung des Schenkungsvertrags durch Dr. Michael Seligmann, Vorsitzender des Fördervereins der Villa ten Hompel, und Bernd Löckener statt.

Die zeitgeschichtliche Sammlung zu Verfolgung und Völkermord umfasse Objekte ab den späten 1920er-Jahren bis über das Kriegsende hin­aus, so Löckener. Es handele sich unter anderem um Fotos, Zeitschriften, philatelistische Belege, Postkarten, Dokumente, Abzeichen, Feldpost, Uniform-Stücke und Fahnen.

Er habe als Jugendlicher Lehrer gehabt, die nicht Parteigänger gewesen seien. So sei sein Interesse für das Thema geweckt worden, mit dem man sich damals allgemein nicht gern befasst habe. Er verfolge es seit Jahrzehnten, und es werde ihn nicht loslassen. Er sei froh gewesen, als die Villa ten Hompel als Erinnerungsort ins Leben gerufen worden sei. Löckener sammelt seit Jahren auch zu anderen Bereichen – etwa Weihnachts-, Märchen oder Osterpostkarten und Philatelistisches – und hat schon vieles an Museen abgegeben.

Es gehe nicht nur um die Tätergeschichte, sondern auch um die Sichtbarmachung der Opfer, erläuterte Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel, bei der Übergabe. Postkarten etwa könnten manchmal Hilfsstücke für Angehörige sein, die so den Bezug wieder aufnehmen könnten.

Sowohl für Bildungs- als auch für Forschungszwecke „ist das bei uns richtig angesiedelt“, sagt Christoph Spieker. Bis alles gesichtet und zugeordnet sei, werde es eine lange Zeit dauern. „Als Teil der Gedenkstättenlandschaft stehen wir im Austausch mit anderen Gedenkstätten.“ Es gehe um Bezüge in die Forschungsgeschichte, zur Gedenklandschaft, zu Angehörigen und Einrichtungen.

Es werde auch eine „Meta-Geschichte“ zu der Sammlung geben, kündigt Spieker an: Es werde erfasst, wie und warum gesammelt wurde, um das Geschichtsbewusstsein einer bestimmten Zeit und die Entwicklung der Erinnerungskultur zu dokumentieren. Die Sammlung habe einen hohen Wert für die Dokumentation und Forschung. Es gehe auch um Objekte für die Bildungsarbeit: „Unikate erzeugten in pädagogischen Kontexten eine höhere Glaubwürdigkeit“, wenn es darum gehe, eine Brücke in die Vergangenheit zu schlagen. Es sei etwas anderes, eine Postkarte von einem Menschen in einem Konzentrationslager in der Hand zu halten, als nur darüber zu hören, unterstreicht Michael Seligmann.

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