Indro-Jahresbericht
Der Drogenkonsumerreicht ein Rekordhoch

Münster -

Der Drogenkonsumraum von Indro wird immer mehr genutzt. Erstmalig gab es dort im vergangenen Jahr mehr als 20 000 Konsumvorgänge. Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen hat sich gegenüber 2018 verdoppelt.

Dienstag, 04.02.2020, 20:00 Uhr
Mehr als 20 000 Konsumvorgänge gab es 2019.
Mehr als 20 000 Konsumvorgänge gab es 2019. Foto: dpa/Boris Roessler

„Wir blicken auf ein Rekordjahr zurück“, so Indro-Leiter Ralf Gerlach bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichtes zur Arbeit der Drogentherapeutischen Ambulanz mit integriertem Drogenkonsumraum. „2019 wurde mit 20 022 dokumentierten Konsumvorgängen erstmals die 20 000-Marke überschritten.“

Opiate mit einem Anteil von 65 Prozent und Kokain mit 22 Prozent seien dabei die am häufigsten konsumierten Substanzen gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung von Indro. 71 Prozent der Nutzer seien älter als 35 Jahre.

Allerdings fehle es der Drogenszene nicht an „Nachwuchs“, da sich der Anteil der 18- bis 25-Jährigen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt habe. Laut Jahresbericht wurde in 2927 Fällen medizinische Hilfe geleistet. Ferner wurden 1388 Personen in die Drogentherapeutische Ambulanz, 773 in weiterführende soziale Hilfen, 311 in ärztliche Behandlung und Krankenhäuser, 131 in Entgiftungs- und 102 in Substitutionsbehandlung vermittelt sowie 1563 Safer-Use-Beratungen und 94 Kriseninterventionen durchgeführt. Die Anzahl lebensbedrohlicher Drogennotfälle konnte gegenüber 2018 von 46 auf 25 gesenkt werden. Darüber hinaus wurden 125 000 gebrauchte Spritzen getauscht. „Unsere Jahresbilanz belegt eindrucksvoll, dass wir trotz schwierigster Arbeitsbedingungen alle Leistungsvorgaben der Rechtsverordnung eindeutig erfüllen konnten“, so Ralf Gerlach. Der öffentliche Raum sei durch die Angebote des Indro beträchtlich von offenem Konsumgeschehen und Spritzenfunden entlastet worden. Allerdings könnten die aktuell äußerst limitierten räumlichen und personellen Bedingungen dem enormen Nutzungsbedarf nicht mehr gerecht werden. „Es ist daher dringend geboten, auch vor dem Hintergrund der Neugestaltung des Bremer Platzes, die vom Rat der Stadt bereits im Dezember 2018 beschlossene Ausweitung der Indro-Räumlichkeiten möglichst zeitnah umzusetzen und ebenso eine bedarfsangepasste personelle Aufstockung einzuleiten.“

Seit 2001 betreibt das Drogenhilfezentrum des Indro e.V. eine Drogentherapeutische Ambulanz mit integriertem Drogenkonsumraum. Im Drogenkonsumraum dürfen illegale Drogen unter fachlicher Aufsicht straffrei konsumiert werden, heißt es weiter.

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