Prozessauftakt
Nach schwerem Raub in Wettbüro: Beute sogleich verprasst

Münster -

Vor gut einem Jahr ist an der Steinfurter Straße ein Wettbüro überfallen worden. Die Beute damals: rund 6700 Euro. Während der eine Täter sich geständig zeigte, trat der zweite als Zeuge auf. Ein Dritter soll Insider-Informationen beschafft haben. Ein Urteil fällte das Landgericht noch nicht.

Donnerstag, 06.02.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 21:52 Uhr
Vor dem Landgericht in Münster wird ein Fall schweren Raubes in einem Wettbüro verhandelt.
Vor dem Landgericht in Münster wird ein Fall schweren Raubes in einem Wettbüro verhandelt. Foto: dpa

Seit Donnerstag müssen sich zwei 23-jährige Münsteraner vor dem Landgericht verantworten. Dem einen wird vorgeworfen, zusammen mit seinem Mitbewohner unter Einsatz einer Pistole im Januar 2019 ein Wettbüro an der Steinfurter Straße überfallen zu haben. Ein Bekannter habe als Mitarbeiter Insider-Informationen geliefert, wann sich ein Überfall besonders lohnen würde. Die Angeklagten zeigten sich geständig, doch zu einem Urteil kam es noch nicht.

In seiner Einlassung gab der inhaftierte Haupttäter zu, die Idee zur Tat gehabt und dann mit seinem Bekannten aus dem Wettbüro einen Scheinüberfall geplant zu haben. Der widersprach dieser Version und sagte, er habe die Idee zunächst für einen Scherz gehalten und später versucht, den ehemaligen Dachdecker davon abzubringen.

Hinweis zum Tatort

Dennoch ließ der Wettbüro-Mitarbeiter sich darauf ein und gab seinem Bekannten den Tipp, besagte Filiale aufzusuchen. Dort sei mit weniger Publikumsverkehr zu rechnen und es gebe keinen Alarmknopf. Er sollte für seine Hilfe zehn Prozent der Beute erhalten („Ich wollte etwas daran verdienen.“). Der 23-Jährige habe außerdem vom Wettbüro-Mitarbeiter regelmäßig Kokain für den Eigenbedarf bezogen, das es zu finanzieren galt. Als weitere Gründe für die Tat gab er Schulden und Druck an.

Am Abend der Tat habe sein Mitbewohner den 23-Jährigen angesprochen, was er vorhabe. Dieser wurde eingeweiht und er entschloss sich mitzumachen, um die Beute zur Hälfte zu teilen. Der 21-jährige Mitbewohner trat zunächst als Zeuge auf, machte aber von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, da das Verfahren gegen ihn gesondert verhandelt wird.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich mindestens zweimal Kokain konsumiert.

Angeklagter

Zusammen machten die beiden sich zum Wettbüro auf. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich mindestens zweimal Kokain konsumiert“, sagte der 23-Jährige. Große Vorbereitungen seien nicht getroffen worden. Beide trugen eine Sturmmaske. Der Mitbewohner klopfte mit einer Pistole auf dem Tresen, während der Ex-Dachdecker von einem 33-jährigen Wettbüro-Mitarbeiter das Befüllen einer Plastiktüte mit Bargeld forderte. Die Beute: rund 6700 Euro. Das Opfer nahm die Entschuldigung des 23-Jährigen während seiner Zeugenaussage an.

Anhand des Überwachungsvideos ahnte der Teamleiter des Wettbüros, dass es sich um den Münsteraner handeln könnte, da er dessen markante Statur erkannt zu haben meinte. Über den „Insider“ forderte er die Rückgabe des Geldes, doch der Anteil des 23-Jährigen sei zwei Tage nach der Tat bereits fast vollständig ausgegeben worden.

In der Folgewoche habe dieser sich selbst der Polizei gestellt: „Ich wollte die Sache aufklären. Da aber kein Haftbefehl vorlag, durfte ich wieder gehen.“ Der Prozess wird am 13. Februar fortgesetzt.

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