31-Jähriger wegen paranoider Schizophrenie nicht schuldfähig
Brandstifter fühlte sich verfolgt

Münster -

Angst vor angeblichen Helikoptern, Drohnen, Kameras und Spitzeln: Gesunde Menschen können sich wohl kaum vorstellen, was in dem 31-Jährigen vorging, der im Juli vor lauter Verzweiflung Feuer in seiner Wohnung legte. Seit seiner Kindheit leidet der Mann unter Verfolgungswahnvorstellungen – jetzt hat das Landgericht die Unterbringung in einer Klinik angeordnet.

Freitag, 07.02.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 22:18 Uhr
31-Jähriger wegen paranoider Schizophrenie nicht schuldfähig: Brandstifter fühlte sich verfolgt

Weil er zum Zeitpunkt der Tat unter einem akuten Schub einer paranoiden halluzinatorischen Psychose litt, ist ein 31-jähriger Brandstifter nicht schuldfähig. Zu diesem Urteil kam das Landgericht Münster am Freitag. Es ordnete dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der Angeklagte hatte im Juli Feuer in seiner Wohnung in Münster gelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich Anklage wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung mit versuchter Todesfolge erhoben, war davon im Laufe des Verfahrens aber abgewichen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich bezüglich ihrer Plädoyers am letzten Verhandlungstag weitgehend einig. Der 31-Jährige leide demnach schon seit seiner Kindheit an einer psychischen Erkrankung und müsse behandelt werden. Ein medizinischer Sachverständiger hatte das bestätigt.

Im vergangenen Sommer kam es aufgrund dieser andauernden paranoiden Psychose zu einem tragischen Vorfall: Weil der Angeklagte offenbar unter massiven Wahnvorstellungen litt, legte er Feuer in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Nachbarn retteten ihn aus der brennenden Wohnung. Am Tag zuvor hatte er bereits seinen Bruder um Hilfe gebeten, weil er völlig verwirrt und verängstigt gewesen sei, sagte der Staatsanwalt. In der LWL-Klinik habe man ihn an jenem Tag aber nicht aufnehmen können.

Von der Staatsanwaltschaft hieß es am Freitag, der Angeklagte habe zwar vorsätzlich Feuer gelegt, sei aber nicht in der Lage gewesen, einzusehen, dass er andere Menschen gefährdete. Es sei daher nicht von einem Tötungsvorsatz auszugehen. Tötungsvorsatz sehe auch die Kammer nicht, sagte die Vorsitzende Richterin. Die Brandstiftung sei zwar vorsätzlich begangen worden, aber „das war wahnhaft und deswegen kann man Ihnen diese Tat nicht vorwerfen“.

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