AfD-Spitzenvertreter beim Neujahrsempfang
Münster als „vorderster Frontabschnitt“

Münster -

Draußen tobt der Protest und im Rathaus? Dort empört man sich über das Spießrutenlaufen auf dem Weg dorthin. Mit martialischen Worten erklärt Kreissprecher Martin Schiller beim AfD-Neujahrsempfang Münster zum Kriegsgebiet.

Freitag, 07.02.2020, 22:18 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 22:36 Uhr
AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen (r.) und Rüdiger Lucassen, Landeschef der NRW-AfD, im Gespräch im Rathausfestsaal.
AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen (r.) und Rüdiger Lucassen, Landeschef der NRW-AfD, im Gespräch im Rathausfestsaal. Foto: Oliver Werner

Im Foyer gibt es Brezeln, Käse, Wurst und dunkles Brot. Danach steht dem früheren AfD-Kreissprecher Helmut Birke aber in diesem Moment nicht der Sinn. „Unglaublich“, empört sich Birke über seinen Weg zum Rathaus. „Ich musste über ein Geländer klettern, an beiden Seiten wurde an mir gezerrt.“

Der Zugang zum AfD-Neujahresempfang durch das Heer der Demonstranten war am Freitagabend für einige Mitglieder und Sympathisanten der rechtsnationalen Partei offenbar ein Spießrutenlaufen. Die Polizei spricht von einem insgesamt friedlichen Versammlungsverlauf. Es habe aber Rangeleien gegeben, einige AfD-Teilnehmer seien bespuckt oder beleidigt worden.

So füllen sich die Reihen im Rathausfestsaal, als mit einer Viertelstunde Verspätung die Veranstaltung mit dem Bundesvorsitzenden Prof. Jörg Meuthen, dem NRW-Landeschef Rüdiger Lucassen und dem sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban beginnt. AfD-Kreissprecher Martin Schiller begrüßt die Gäste „im vordersten Frontabschnitt der AfD“, die aber in der Domstadt ihr deutschlandweit schlechtestes Wahlergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl hatte. „Willkommen im Kessel von Münster“, ruft Schiller in den Saal. Der Protest von der Straße bleibt dabei begleitendes Hintergrund-Geräusch.

Polizei-Bilanz

Am späten Freitagabend zog die Polizei eine Bilanz der Proteste. Hier die Mitteilung im Wortlaut:

Rund 4.000 Menschen haben am Freitag (7. Februar) in Münsters Innenstadt lautstarken Protest geäußert. Aus Anlass des Neujahrsempfangs der AfD hatte das Bündnis "Keinen Meter den Nazis" zur Teilnahme an drei Demonstrationen aufgerufen. Fast zeitgleich hatten das "Bündnis gegen Abschiebung" und eine Privatperson zwei weitere Versammlungen in der Innenstadt angemeldet.

"Die Demonstrationen haben einen überwiegend friedlichen Verlauf genommen", sagte Einsatzleiter Martin Mönnighoff . "Vereinzelt versuchten
Versammlungsteilnehmer die Sperrstellen zu durchbrechen. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein, um dies zu verhindern".

Die Polizei sicherte den Bereich des Rathauses durch Absperrungen, verhinderte ein Eindringen in den Veranstaltungsbereich und schützte mit mehreren hundert Beamten das Grundrecht der Versammlungsfreiheit und der freien Meinungsäußerung.

"Dennoch gab es vereinzelte Zwischenfälle", erklärte der Einsatzleiter Martin Mönnighoff. "Teilnehmer des Neujahrsempfangs wurden von einigen
Versammlungsteilnehmern auf dem Weg zur Veranstaltung bedrängt, bespuckt und beleidigt. Die Beamten leiteten diesbezüglich Ermittlungsverfahren ein, zudem fertigten sie eine Anzeige wegen Beleidigung zum Nachteil eines Polizisten und sprachen drei Platzverweise aus."

Ab den Mittagsstunden kam es in der Innenstadt zu Verkehrsbehinderungen.

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Meuthen sieht angesichts der Demonstranten vor der Tür noch „schwere, harte Arbeit gegen diese Widerstände“ in Münster. Die links-grüne Stadtgesellschaft hier sei „keine neue Erkenntnis“.

Inhaltlich dreht sich im Rathaus alles um die klassischen Themen der Rechtspopulisten: Flüchtlinge, Islam, Bewahrung deutscher Werte und Kultur – all das streift AfD-NRW-Chef Rüdiger Lucassen, ohne in seiner Rede konkrete Lösungen anzubieten.

Protest gegen den AfD-Neujahrsempfang am 7.2.2020

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  • Protest in Münster: Demonstranten zeigen dem AfD-Landtagsabgeordneten Christian Blex vor dem Rathaus ihre Abneigung. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Gäste des AfD-Neujahrsempfangs sind hier nicht willkommen. Das machen die Demonstranten deutlich.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Laut Polizei sind 4000 Teilnehmer zu den Kundgebungen rund um das Rathaus gekommen. Die Veranstalter vermeldeten bis zu 10.000 Demonstranten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Teilweise versuchten die Demonstranten, den Gästen des Neujahrsempfangs den Zugang zum Rathaus zu versperren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Etwa 200 Menschen fanden den Weg in den Rathausfestsaal.

    Foto: Dirk Anger
  • Hunderte Polizisten waren im Einsatz.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Demonstranten versuchten teils mit Sitzblockaden, die Wege zum Rathaus zu versperren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • An der Salzstraße gab es zeitweise kaum ein Durchkommen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit vielen selbst gebastelten Plakaten wurde Position gegen die AfD bezogen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • "Biete Nachhilfe für Geschichte"

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine wählbare Alternative ist die Partei für diese Menschen sicherlich nicht.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Etliche Polizei-Bullis standen auf dem Rathausinnenhof.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auf der Bühne gab es neben mehreren Reden auch Musik von der münsterischen Punkband "Empty Veins".

    Foto: Matthias Ahlke
  • Bereits am Nachmittag wurde der Bereich vor dem Historischen Rathaus von der Polizei abgesperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathaus lud die AfD zum Pressegespräch.

    Foto: Dirk Anger
  • Auch der Parteivorsitzende der Bundes-AfD, Jörg Meuthen, ist ins Rathaus gekommen.

    Foto: Dirk Anger
  • Kreativer Protest gegen den AfD-Neujahrsempfang in Münster

    Foto: Martin Kalitschke
  • Robert von Olberg (SPD) bezog Stellung zum "Tabubruch" von Thüringen: Wer sich von einem Faschisten wie Höcke wählen lasse, tauge nicht zum Antifaschisten und Verteidiger der Demokratie.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Rund um das Rathaus war die Polizei mit vielen Kräften im Einsatz.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Hier nahmen später Jörg Urban (Sachsen), NRW-AfD-Chef Rüdiger Lucassen und der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen Platz.

    Foto: Dirk Anger
  • Das Buffet für die Gäste der AfD im Rathaus

    Foto: Dirk Anger
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Die Polizei zog eine insgesamt positive Bilanz: Neben Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten seien auch Teilnehmer der AfD-Versammlung beleidigt, bespuckt und bedrängt worden. Insgesamt sei alles friedlich verlaufen. Es sei niemand verletzt worden.

    Foto: Stefan Biestmann
  • Foto: diverse
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  • Foto: Matthias Ahlke
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Bilder der Proteste.

    Foto: Matthias Ahlke
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