Peter Gülke dirigiert Robert Schumanns Zweite in Münster
Romantischer Orchestergesang

Münster -

Zu Beethoven, dem Wiener Klassiker, schauten die romantischen Komponisten auf. In Münsters fünftem Sinfoniekonzert dieser Spielzeit werden aber auch die letzten Ausläufer der romantischen Epoche erlebbar.

Mittwoch, 12.02.2020, 16:48 Uhr
Peter Gülke, Gastdirigent aus Weimar
Peter Gülke, Gastdirigent aus Weimar Foto: Wilfried Gerharz

Welch seltsames, welch faszinierendes Stück: Zunächst lassen die dumpfen Pauken einen Nachhall der Götterdämmerung erahnen, dann entwickelt sich düster-spätromantische Musik, die aber weder den selbstsicheren Schwung eines Richard Strauss nachahmt noch Gustav Mahlers Weltschmerz verlängert. Rudi Stephan, der seine „Musik für Orchester“ im Vorjahr des Ersten Weltkriegs uraufführte und der später im Schützengraben starb, reflektiert komponierend auch das Ende einer Epoche – was man aus den abgerissenen Choralanklängen oder dem grellen Marsch heraushören mag. Zugleich aber, das wurde in der sorgfältigen Aufführung des Sinfonieorchesters Münster unter Gastdirigent Peter Gülke deutlich, erprobt hier ein außergewöhnlicher Musiker mit allen orchestralen Mitteln seine Möglichkeiten: Die furchtbaren Zeitläufte verhinderten, dass er sie zielgerichtet fortführen konnte.

Diesem Ende der (Spät-) Romantik stand in Münsters fünftem Sinfoniekonzert ihre Frühzeit gegenüber: das vierte Klavierkonzert Beethovens mit seinem ungewöhnlichen Beginn und der romantischen Gesangsszene des langsamen Satzes. Dirigent Peter Gülke, der das Orchester zu federnd-transparentem Spiel animierte, und der mit kühler Brillanz auftrumpfende Pianist Jeung Beum Song inszenierten in diesem Andante einen spannungsvollen Dialog: Den wuchtigen Orchester-Rezitativen begegnete das Klavier zunächst mit nahezu scheuen Erwiderungen, doch je selbstbewusster sein Part sich entwickelte, desto verhaltener antworteten die Streicher des Orchesters mit fein gestaffeltem Decrescendo. Um dann im Finalsatz geradezu übermütig zu musizieren. Hier und in der Chopin-Zugabe bewies der mit großem Applaus bedachte, zupackende Pianist: Er kann auch sanfter.

Nach der Pause gab es dann konsequenterweise Romantik pur – Robert Schumanns Zweite, die nicht nur mit dem Lied-Zitat „Nimm sie hin denn, diese Lieder“, sondern auch mit der Reihenfolge der Sätze an Beethoven anknüpft. Wie viel der Komponist allerdings auch dem bewunderten Franz Schubert verdankt, ließ sich der Interpretation des großen Schubert-Experten Peter Gülke durchaus anhören. Der verzichtete nämlich darauf, das Blechbläsermotto der Einleitung im Finale zum martialischen Triumph herauszuposaunen, sondern ließ das Orchester scheinbar unangestrengt den großen C-Dur-Schlussgesang verströmen.

Was sich im heiklen, von den Bläsern bestens gemeisterten Beginn angedeutet hatte, prägte die gesamte Aufführung: Gülke griff eher behutsam zu Akzenten wie im ersten Trio des Scherzo-Satzes, zwang die Streicher auch nicht, im Adagio vibratosatte Innigkeit herauszupressen, sondern setzte eben auch Vertrauen in die Gestaltungskraft der Musiker – was subtile Wirkungen wie die dezent gesteigerte Wiederholung der Exposition einschloss. Die Originalität des großen Romantikers Schumann war damit beim Sinfonieorchester Münster bestens aufgehoben – und das dankte seinem Gast aus Weimar ebenso deutlich wie die lang applaudierenden Zuhörer.

Weitere Aufführungen am Mittwoch um 19.30 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr (derzeit ausverkauft, Infos unter 0251 59 09-100) im Großen Haus

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