Brand am Albersloher Weg
Prozess gegen ehemaligen Hotel-Chef: Anklage klingt wie ein Horrorfilm

Münster -

Der ehemalige Hotelmanager des B&B-Hotels am Albersloher Weg muss sich seit heute vor dem Landgericht verantworten. Der 36-Jährige soll im vergangenen August in eben jenem Hotel seine ehemalige Frau angezündet haben. Sie überlebte – mit Verletzungen, deren Spuren sie ein Leben lang begleiten werden.

Freitag, 14.02.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 20:01 Uhr
Brand am Albersloher Weg: Prozess gegen ehemaligen Hotel-Chef: Anklage klingt wie ein Horrorfilm
Der Angeklagte verbirgt zu Prozessbeginn sein Gesicht hinter einer Akte. Ihm wird vorgeworfen, im August 2019 seine Ex-Frau mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Foto: Oliver Werner

An den Folgen ihrer schweren Brandverletzungen wird die Frau, die vergangenen Sommer mutmaßlich von ihrem Ex-Mann angezündet wurde, wohl ihr Leben lang leiden. In der Nacht zum 11. August soll der ehemalige Chef des B&B-Hotels am Albersloher Weg seine ehemalige Ehefrau mit Benzin übergossen und angezündet haben. Am Freitag hat vor dem Landgericht der Prozess begonnen.

Nach etwa 30 Minuten war der erste Verhandlungstermin schon wieder beendet. Die Vorsitzende Richterin hatte ihren ersten Satz kaum beendet, da gab es von der Verteidigung bereits die erste Antragsankündigung. Den Antrag auf Prüfung des Gerichts wolle sie stellen, noch bevor die Personalien des Angeklagten geklärt würden, sagte die Verteidigerin. Daher wurde am Freitagmorgen zunächst die Anklage verlesen – und die hat es in sich.

 „Sie konnte sich brennend bis zur Wohnungstür schleppen"

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-jährigen vor, versucht zu haben, „einen Menschen heimtückisch zu töten.“ Außerdem habe er den Tod anderer Menschen und die Zerstörung des Gebäudes billigend in Kauf genommen. Den Ermittlungen zufolge soll der 36-Jährige am Abend vor der Tat aus einem Urlaub mit seiner Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn zurückgekehrt sein. Am frühen Morgen des 11. August soll er dann gegen 3.30 Uhr mit einem Benzinkanister in seine Betriebsleiterwohnung in dem Hotel gegangen sein. Er habe vorgegeben „ein romantisches Bad mit seiner ehemaligen Frau nehmen zu wollen“, sagte der Staatsanwalt. Stattdessen soll der Angeklagte die nur noch in Unterwäsche bekleidete Frau im Schlafzimmer unvermittelt mit Benzin übergossen und angezündet haben. „Sie konnte sich brennend nur bis zur Wohnungstür schleppen, wo sie zusammenbrach.“

Die durch Zeugen alarmierte Feuerwehr war kurz darauf vor Ort und brach die Wohnungstür auf. „Direkt hinter der Tür lag die fast leblose Geschädigte“, so der Staatsanwalt weiter. Sie sei umgehend reanimiert und in eine Spezialklinik gebracht worden. Nur dank des schnellen Eintreffens der Feuerwehr habe sie überlebt. Durch den Brand seien die Gebäudesubstanz beschädigt und mitunter Tür- und Fensterelemente zerstört worden, sagte der Staatsanwalt. Etwa 50 Hotelgäste hatten in der Nacht in Sicherheit gebracht werden müssen.

Die Vorsitzende wies zu Beginn der Verhandlung darauf hin, dass allein die schweren Verletzungen der Frau aufgrund der Folgeschäden mit eine Freiheitsstrafe von 1 bis 10 Jahren geahndet werden könnten. Ein großer Teil der Körperoberfläche der Frau sei verbrannt, sie sei „dauerhaft entstellt.“ Im Falle einer absichtlichen Tat sei mit nicht weniger als drei Jahren Haft zu rechnen.

Die Verhandlung wurde gemäß dem Antrag der Verteidigung eine Woche unterbrochen. Begründung: Die Verteidigung sei über die Besetzung des Gerichts nicht fristgerecht informiert worden. Für den nächsten Termin, am 9. März, stellte die Verteidigerin eine Einlassung in Aussicht, außerdem sollen erste Zeugen gehört werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7260723?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker