Festival „Grutkultur“ in der Fischbrathalle
Münsters gelebte Biergeschichte

Münster -

Biertrinken wie im Mittelalter: Beim Festival „Grutkultur“ stand eine Biersorte im Mittelpunkt, die mehrere Jahrhunderte ausgestorben war, nun aber ihr Comeback feiert. Mit dem heutigen Pilsener hat das allerdings nicht viel zu tun.

Montag, 17.02.2020, 11:00 Uhr
Wollten mal eine neue Bierrichtung ausprobieren (von links): Miriam Burmeister, Annika Hamann, Steffen Stretholt, Vanessa Lindmeyer und Ellen Casser
Wollten mal eine neue Bierrichtung ausprobieren (von links): Miriam Burmeister, Annika Hamann, Steffen Stretholt, Vanessa Lindmeyer und Ellen Casser Foto: Julian Alexander Fischer

Geschichte ist Vergangenes, aber an vielen Stellen noch sichtbar: In alten Gebäuden, Statuen oder Schriften. Beim Festival „Grutkultur“ war sie nun auch zu schmecken. Dort stand näm-lich das Grutbier im Mittelpunkt – eine Biersorte, die während des Mittelalters in Münster überaus beliebt und verbreitet, danach aber lange ausgestorben war.

Dass die Münsteraner großes Interesse an der Biergeschichte ihrer Stadt haben, zeigt sich di-rekt zu Beginn der „Grutkultur“. Die Veranstaltung ist keine zehn Minuten alt und schon ist die Fischbrathalle brechend voll. Und der Andrang bricht nicht ab, zeitweise zwängen sich 250 Personen in den Raum, die Schlangen vor den Ausschänken nehmen kaum ab. Alle wol-len das Grutbier probieren.

„Im Grutbier sind in der Regel Kräuter enthalten, dadurch schmeckt es eher wie Wein oder ein Kräutercocktail. Beim ersten Probieren darf man daher keinen Biergeschmack erwarten“, erläutert Jan Kemker, der zusammen mit Philipp Overberg das Festival veranstaltet.

Dabei will er der Stadt ein Stück Geschichte zurückgeben: „Ich bin vor ein paar Jahren durch Europa gereist und habe geschaut, wo Biergeschichte lebendig ist. Und in Münster war sie das nicht. Deswegen wollte ich das Grutbier wieder bekanntmachen.“ So ist es ihm gemeinsam Overberg gelungen das historische münsterische Grutbier aus dem 15. Jahrhundert zu rekreie-ren. Das „Dubbel Porse“ enthält neben Hopfen auch Gagel, Wacholder und Kümmel, wodurch es einen fruchtigen, aber auch sauren Geschmack bekommt.

Für die zahlreichen Besucher ist es oftmals eine neue, ungewohnte Erfahrung. „Der Ge-schmack ist sehr spannend und interessant, einfach sehr weit weg von normalem Bier“, findet Steffen Stretholt. Roy Hoenderboom und Petra de Jong sind extra aus den Niederlanden an-gereist, um an dem Festival teilzunehmen: „Wir haben auf einer Veranstaltung vor zwei Wo-chen eine Flasche aus der Brauerei von Jan Kemker gekauft und dann auf Facebook Kontakt zu ihm aufgenommen. Da hat er uns dann eingeladen. Wir mögen nämlich saure Biere sehr.“

Denn Grutbier ist kein rein deutsches Phänomen. So sind auf der „Grutkultur“ auch Brauerei-en aus den Niederlanden, Belgien und den USA vertreten, um ihre Kreationen vorzustellen. Die Biere unterscheiden sich dabei im Ansatz – mal klassisch-traditionell, mal modern – und vor allem in den regionalen Zutaten. Schließlich hat jede Region ihre eigene gelebte Bierge-schichte.

 

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