Die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker in Münster
Mit Präriestaub zwischen den Saiten

Münster -

Das gibt es nicht oft zu sehen und zuhören: Die „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“ waren jetzt im Rahmen eines Benefizkonzerts in der Überwasserkirche in Münster zu Gast. Ein ganz besonderes Klangerlebnis.

Montag, 17.02.2020, 16:52 Uhr
Sonor, effektvoll, überraschend: So musizierten die zwölf Cellisten in der Überwasserkirche.
Sonor, effektvoll, überraschend: So musizierten die zwölf Cellisten in der Überwasserkirche. Foto: Arndt Zinkant

Das Seltene ist besonders wertvoll. Und selten sind die Auftritte der „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“ schon deshalb, weil ihr täglich Brot die Arbeit im Weltklasse-Orchester von der Spree ist. Natürlich war die Überwasserkirche bis auf den letzten Platz gefüllt, als sich der erlesene Celloklang zwischen den Säulen entfaltete. Um diesen zu genießen, war man gut beraten, weit vorne zu sitzen. „Gut, dass Sie alle Ihre Wintermäntel anhaben, die hoffentlich etwas Hall schlucken“, witzelte Cellist Ludwig Quandt, der das Konzert auch moderierte.

Dass es stattfand, hatte mit einem guten Zweck zu tun: Die Einnahmen des Konzerts kommen dem Prostatazentrum am Uniklinikum zugute. Überdies ist einer der Zwölf, Martin Menking, gebürtiger Münsteraner und konnte daher die Kollegen begeistern, zwischen zwei Auftritten hier Station zu machen. Und es lohnte sich. Die Celloformation zeigte ihre ganze Spannbreite von Barock bis Jazz. Auf eine Weise, die Spontaneität stets mit noblem Klang und höchster Spielkultur verband. Man erlebte hier nicht irgendeinen prächtigen Celloklang, sondern genau jenen, der für die Kultur der Berliner Philharmoniker steht.

In den Anfangsjahren kannte die Formation noch das Problem des spärlichen Repertoires. Da kam 1972 der Komponist Boris Blacher gerade recht, der den Zwölfen das erste Auftragswerk schrieb – für das Ensemble bis heute ein ganz besonderes. Es hat nichts von seinem Reiz verloren: Wie scharf der „Blues“ gewürzt ist! Wie stachelig die Pizzicati im „Espagnola“-Satz durch die Instrumente wandern und am Ende wie Mariachi-Gitarren klingen. Als Finale eine tumultuöse „Rumba philharmonica“ mit Schlagzeug-artigen Elementen.

Arvo Pärts „Fratres“ wirkte dagegen spirituell und meditativ, einfach und kunstvoll zugleich. Die Bögen wurden hier so sanft gestrichen, als würden sie über den Saiten schweben. Und die Aura von Erhabenheit passte wunderbar zum sonoren Klang der Celli. Danach gab es ein raffiniertes Arrangement nach dem anderen: Dass Piazzolla-Tangos sich süffig in Streichern machen, weiß man. Aber wie sich Ennio Morricones „Lied vom Tod“ verwandelte, war einfach genial. Der „Mann mit der Harmonica“ schüttelte sich infernalisch grummelnd den Präriestaub aus den Saiten, dass man den Atem anhielt.

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